18. Oktober 2009 - 3:41 / Archiv / Skulptur 

Der 1960 in Sissach (CH) geborene Bildhauer Rudolf Tschudin verwendet für seine Skulpturen industriell gefertigte Teile aus Eisen und Stahl wie etwa Rohrstücke, Glieder von schweren Ketten, Armiereisenstäbe, gewalzte Bleche, Schrauben oder Eisenplättchen. Manche Arbeiten entstehen durch "gesteuerten Zufall", wenn er sich produktionstechnisch beispielsweise auf Arbeitsmethodiken wie Pressen, Ziehen und Walzen abstützt oder mit Druckluft arbeitet. In anderen Werkserien wiederum verschweisst er genormte Teile zu neuen Ordnungen wie etwa netzwerkartigen Kugelsystemen zusammen.

In der Schnepfauer Galerie 365 zeigt Tschudin noch bis 24. Oktober sechs solcher Kugelplastiken. Aus runden und flachen Eisenstücken entwickelt der Künstler Mantelkonstruktionen unterschiedlichen Durchmessers und Gestaltungsart. Auch eine "Strahlenkugel" befindet sich darunter: Rohrstücke und Gussteile werden auf der einen Seite gequetscht und solcherart gebündelt, dass sie vom Zentrum aus strahlenförmig nach aussen gerichtet sind.

Zu sehen sind des weiteren drei Wandarbeiten aus Stahlblech respektive Segmenten eines Kugelmantels aus Eisenteilen, die organische Formen referenzieren, sowie eine reusenartige Gitterkonstruktion, die, an dünnen Drähten befestigt, leicht im offenen Raum der Galerie 365 zu schweben scheint.

Auch wenn der Schweizer Künstler von der reinen Materialität und der formalen Gestaltung her "klassisch angehaucht" ist, bricht bei allen Werken der Hang zum Experiment durch. Immer geht es Tschudin um eine Auslotung von Gegensätzlichkeiten wie etwa Leichtigkeit und Schwere, Zufall und Kalkulation sowie Ordnung und Chaos. Und zu oberst steht immer der Drang zur Transformation. Tschudin überführt Metalle von einem fabrikativ-vorgegebenen Zustand in ungewohnte neue Konstellationen. Letztlich versucht er damit auch, die eingefrorenen Sehgewohnheiten und Blickrichtungen der Betrachter aufzutauen und für neue Horizonte zu öffnen.


Rudolf Tschudin - Plastiken
16. Mai bis 24. Oktober 2009
täglich vom 0 bis 24 Uhr

Kunstraum "Galerie 365"
Schnepfau (Bregenzerwald)



  •  16. Mai 2009 24. Oktober 2009 /
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Alle Fotographien: (c) Karlheinz Pichler