21. Februar 2012 - 1:59 / Ausstellung / Archiv 
17. Dezember 2011 26. Februar 2012

Brigitte Kowanz nimmt in der jüngeren Kunstgeschichte eine unverwechselbare Position ein. 2009 wurde ihr der Große Österreichische Staatspreis verliehen. Im Zentrum ihres Werks steht seit den 1980er Jahren das Medium Licht. Sie untersucht es in Kombination mit Zeichen, Codes und Sprache, um die Maßstäblichkeit der ephemeren Substanz Licht für die Wahrnehmung zu akzentuieren. Neben ihren Werken im öffentlichen Raum entstehen konzeptuell angelegte, jedoch poetisch anmutende Objekte und Installationen, in denen sie auch die Mechanismen von Sprache beleuchtet.

Zu dieser wechselseitigen Bespiegelung von Licht und Sprache kommen immer wieder reale Spiegel hinzu, die dazu führen, dass sich in ihren Ausstellungsinszenierungen Realität und virtuelles Spiegelbild durchdringen und die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachter fließend werden. Die in der Ausstellung in light of light präsentierten Licht-Spiegel-Installationen und Schattenräume spannen einen Bogen von Arbeiten der späten 1990er Jahre bis zu neuesten Werkkomplexen, wobei Kowanz’ künstlerisches Anliegen in jedem Raum unter einer anderen inhaltlichen wie formalen Akzentsetzung erlebbar wird.

In den für die unterschiedlichen Galerieräume konzipierten Installationen geht es um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Licht, Sprache und Reflexion und die polaren Spannungen zwischen Materie und Licht mit ihren vielfältigen Interaktionen, in die auch der Betrachter involviert wird. Beruht das konzeptuell angelegte Werk von Brigitte Kowanz auf einem abstrakten, philosophischen Denken, das auf der Basis naturwissenschaftlicher und technologischer Erkenntnisse vorgetragen wird, so präsentiert es sich jedoch in jeder einzelnen Arbeit, in jeder Rauminszenierung mit außerordentlicher Sinnlichkeit und atmosphärischer Dichte.

Die raumgreifende Spiegel-Installation "Tiefenraum" (2011) verwandelt den Ausstellungsraum in ein begehbares Spiegelkabinett. Die beiden einander gegenüberliegenden verspiegelten Wände öffnen den realen Raum zu einem endlosen Tiefenraum, in dem sich der Betrachter wiederholt begegnet und in dem Momente des Beobachtens und Beobachtetwerdens verschmelzen. Auf diese Weise werden die Grenzen des dreidimensionalen, architektonischen Realraums aufgebrochen und die Realität virtuell unterlaufen. Auch in den Installationen "Zeittiefe" (1997) und "Lux" (1998) lässt Kowanz durch Licht-Schattenprojektionen magisch anmutende, imaginäre Transferräume entstehen. Durch Projektionen hervorgerufene transparente Schattierungen bilden begehbare Architekturen, die den Betrachter umhüllen und ihm neue, andere Wahrnehmungserlebnisse ermöglichen.

Darüber hinaus werden in der Ausstellung drei frühe Leuchtschrift-Arbeiten gezeigt, bei denen sich Kowanz auf DNA-Codierungen bezieht. Bei "Discs", den neuesten in der Ausstellung gezeigten Werken, erzeugt die Rhythmisierung von Licht und Schatten durch Morsecodes faszinierende Raumillusionen. Kowanz’ suggestive Werke, die auf dem komplexen Zusammenspiel der Elemente Licht und Schatten, Projektionen und Reflexionen beruhen, heben Raumgrenzen auf und lassen neue, virtuelle Räume entstehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch: "Brigitte Kowanz. in light of light". Mit Texten (dt. / engl.) von Beate Ermacora und Gregor Jansen. Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2012

In light of light
17. Dezember 2011 bis 26. Februar 2012

Taxispalais Kunsthalle Tirol
Maria-Theresien-Strasse 45
A - 6020 Innsbruck

T: T +43 512 508 3171
E: taxispalais@tirol.gv.at
W: https://www.taxispalais.art

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Central Idea, 2010. Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich; Galerie Krobath, Wien/Berlin; Ruzicska, Salzburg. Foto: Wolfgang Woessner
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In light of light, 2011. Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich; Galerie Krobath, Wien/Berlin; Ruzicska, Salzburg
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Lux, 1998. Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich; Galerie Krobath, Wien/Berlin; Ruzicska, Salzburg. Foto: Ulrich Ghezzi
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Morsealphabet, 1998/2010. Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich; Galerie Krobath, Wien/Berlin; Ruzicska, Salzburg. Foto: Ulrich Ghezzi