9. Oktober 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / Filmriss
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Ein Auftragskiller soll sein gealtertes Ich beseitigen, das mittels Zeitreise zu ihm zurückgeschickt wurde. – Was verquast klingt, ist ein origineller Mix aus Film noir und Science-Fiction, in dem spektakuläre Effekte für einmal nicht die konsequent erzählte Geschichte und starke Figuren in den Hintergrund drängen.

Im Jahr 2074 sind Zeitreisen möglich, aber nicht erlaubt. Verbrechersyndikate benützen sie um Morde zu vertuschen. Sie schicken das Opfer gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf zu einer vereinbarten Zeit an einen vereinbarten Ort 30 Jahre zurück, wo ein Auftragkiller schon wartet und den Job erledigt. Alle Spuren in der Zukunft sind damit getilgt, der Looper genannte Killer kassiert für den Mord Silberbarren.

Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist so ein Looper. Er fährt einen schnittigen Sportwagen, besucht abends einen Club, wo er eine unverbindliche Beziehung zu einer Prostituierte pflegt und dröhnt sich mit Drogen zu. Als Ich-Erzähler führt er den Zuschauer in den Job des Looper ein, fasst rasch die Zusammenhänge zusammen.

Eine Film noir-Stimmung wird damit und vor allem mit einem perfekten Production-Design geschaffen, durch das beiläufig, aber dicht das Bild einer von Verbrechen bestimmten düsteren Stadt entworfen wird. Mit der Frage nach logischen Inkonsequenzen, die solche Zeitreise-Filme immer beinhalten und die der Film selbstreferentiell auch ironisch anspricht, sollte man sich freilich nicht den Kopf zerbrechen: Der Spannung und des eigenen Vergnügens halber sollte man die Möglichkeit eines Sprungs in die Vergangenheit einfach als gegeben hinnehmen.

So kühl und rasant wie Joe spult Rian Johnson das Programm herunter, zeigt eine schnelle Abfolge von Aufträgen und gibt dem Killer, der mit schwarzer Lederjacke und Krawatte wie aus der Zeit gefallen wirkt und etwas an die toughen Detektive der US-Krimis der 1940er Jahre erinnert, einen Hintergrund, indem er ihn für die Pension im Ausland Französisch lernen lässt.

Ökonomisch und knapp erzählt Johnson, bauscht keine Szene auf, sondern beschränkt sich auf das Nötige. Auf Zeitsprünge zwischen den Ebenen wird verzichtet, nur in Dialogen und einer kurzen Rückblende ist die Zukunft des Jahres 2074 präsent. Johnson bietet klassisches, schnittiges Genrekino ohne Mätzchen.

Goldbarren statt Silberbarren winken dem Killer, wenn er sein eigenes um 30 Jahre gealtertes Ich beseitigen muss, den "Loop schließen muss, wie es hier im Fachjargon heißt. Dann kann er die Zeit genießen, doch sein Ablaufdatum oder Tod ist damit auch fixiert.

Als in der Zukunft der angeblich unglaublich brutale Gangsterboss "Der Regenmacher" beschließt, alle Loops zu schließen, kommt schließlich auch Joe an die Reihe. Weil sein gealtertes Ich ihm aber nicht vermummt gegenüber kniet, zögert er einen Moment mit dem Abdrücken und der alte Joe (Bruce Willis) kann entkommen. Beide sind nun Gejagte des Syndikats und gleichzeitig Jäger, denn der alte Joe will die Zukunft ändern, indem er die Gegenwart ändert.

Ziemlich vertrackt ist Rian Johnsons dritter Spielfilm, aber im Gegensatz zu anderen Action-Spektakeln konzentriert er sich darauf konsequent und mit Ernst seine Geschichte zu erzählen. Nur in wenigen Details unterscheidet sich die Welt des Jahres 2044 von der Gegenwart, die Figuren sind wichtiger als die Effekte und Johnson kann dabei auf die Ausstrahlung von Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt vertrauen, dessen Gesicht man unnötigerweise versuchte durch Make-Up dem von Willis anzugleichen.

Auf eine dynamische und actiongeladene erste Hälfte folgt ein ungewöhnlich ruhiger und zurückhaltender zweiter Teil, wenn sich die Handlung von der düsteren Stadt auf eine abgelegene Farm verlagert. Da entwickelt sich dann mit Anlehnungen an den Horrorklassiker "Das Omen" eine ungewöhnliche Beziehung zwischen dem jungen Joe, der von Emily Blunt gespielten Farmerin und ihrem etwa sechsjährigen Sohn - und Joe gerät zwischen alle Fronten.

Wie hier eine Frau für ihr Kind kämpft und bereit ist sich dafür zu opfern und gleichzeitig ein Mann, um seine große Liebe zu retten, bereit ist zu töten, packt in der Parallelisierung und geschickt wird auch gezeigt, wie jede gegenwärtige Handlung die Zukunft beeinflusst, und die Frage aufgeworfen, ob wir denn überhaupt eine verheerende Zukunft verhindern würden, wenn wir sie kennen sollten und ob wir bereit wären uns dafür sogar selbst zu opfern. – Ein starkes und nachwirkendes Schlussbild findet Johnson für seinen coolen und beiläufig auch mit philosophischen und moralischen Fragen unterfütterten Thriller.

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Trailer zu "Looper"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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