10. Februar 2009 - 2:38 / Ausstellung / Archiv 
29. November 2008 15. Februar 2009

Walter Pfeiffer (*1946 Beggingen, lebt in Zürich) ist schon lange ein Untergrundklassiker. Seine einzigartige Mischung von Erotik und Witz, klassischem Ebenmass und ornamentaler Verspieltheit, Künstlichkeit und Unmittelbarkeit fand in den letzten Jahren zusehends internationale Beachtung. Das Fotomuseum Winterthur zeigt eine chronologische Übersicht von Pfeiffers fotografischem Schaffen über vier Jahrzehnte, von den frühen 1970er Jahren zu seinen jüngsten Werken. Zahlreiche Bilder wurden nie zuvor ausgestellt oder veröffentlicht und erlauben einen neuen Blick auf Pfeiffers Werk.

Pfeiffer, ursprünglich Zeichner und Illustrator, verwendete seine Fotografien anfänglich als Gedächtnisstützen für seine grossformatigen fotorealistischen Bleistiftzeichnungen. Aber bald schon entwickelte er eine genuine Leidenschaft für die Fotografie und ihr Vermögen, Epiphanien des Schönen festzuhalten. Angeregt von einer Entourage von hübschen Streunern und schicken Frauen, seiner ganz eigenen, Warhol-inspirierten "Factory", begann er seinen unverwechselbaren Stil zu prägen, der sowohl von seiner Sehnsucht nach zeitloser Schönheit wie von seiner präzisen Beobachtung der Wandlungen von Mode und Stil zeugt. Seinen Durchbruch als Fotograf markierte eine Reihe von Fotografien eines jungen Mannes in Frauenkleidern und Schminke, die 1974 in Jean-Christophe Ammanns legendärer Ausstellung "Transformer – Aspekte der Travestie" gezeigt wurde. Im gleichen Jahr erhielt Pfeiffer seine erste Einzelausstellung als Fotograf und zeigte eine Reihe von Assemblagen mit Fotografien und Stoffen, die in dieser Werkübersicht im Fotomuseum Winterthur zum ersten Mal wieder gezeigt werden.

1981 veröffentlichte er sein Buch "Walter Pfeiffer" (jüngst wiederaufgelegt von JRP / Ringier), dessen freche Erotik und ungekünstelte Unmittelbarkeit in perfektem Einklang mit der Punk-/Wave-Bewegung standen, während sein tagebuchhafter, betont unprätentiöser Zugang zur Fotografie die "Schnappschuss"-Fotografie der 1990er Jahre vorzeichnete. Den Grossteil der 1980er Jahre widmete sich Pfeiffer der Suche nach seinem Ideal männlicher Schönheit, die 1986 in der Ausstellung "Das Auge, die Gedanken, unentwegt wandernd" gipfeln sollte, einer Reihe von schwarzweissen Nahaufnahmen der Gesichter junger Männer, deren elegante Reduktion das Ergebnis von jahrelangem Experimentieren war.

Danach widmete sich Pfeiffer einige Jahre lang dem Zeichnen und begann erst in den späten 1990er Jahren wieder ausgiebig zu fotografieren. 2001 erschien das Buch "Welcome Aboard", eine Zusammenstellung jüngster und älterer Fotografien, die bewies, dass Pfeiffer so jugendlich und überschwänglich wie je geblieben war. In den letzten Jahren hat Pfeiffer seine Ästhetik immer weiter verfeinert und für internationale Zeitschriften wie i-D, Achtung, Butt, die deutsche Vanity Fair, l’Officiel, Têtu und Out Magazine gearbeitet. Sein jüngstes Buch "Cherchez la femme" zeigt einen weiteren überraschenden Aspekt seine Schaffens – verspielte und glamouröse Frauenbilder.


Walter Pfeiffer – In Love With Beauty
29. November 08 bis 15. Februar 09

Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44 + 45
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 234 10 34
F: 0041 (0)52 233 60 97
E: fotomuseum@fotomuseum.ch
W: http://www.fotomuseum.ch/

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Ohne Titel, 1973. Aus der Serie 'Carlo Joh.' Silbergelatine-Abzug, 11 x 15,5 cm; © Walter Pfeiffer / Sammlung Fotomuseum Winterthur
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Ohne Titel, 1974. C-Print, 59 x 39,5 cm; © Walter Pfeiffer
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Ohne Titel, 1976. C-Print, 59 x 39,5 cm; © Walter Pfeiffer
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Ohne Titel, 2004. C-Print, 59 x 39,5 cm; © Walter Pfeiffer