17. Juni 2021 - 11:22 / Ausstellung / Malerei 
18. Juni 2021 3. Oktober 2021

Das Leben als Farbexzess: Die Welt von Lovis Corinth ist eine der lodernden Lebenslust und der berauschenden Sinnlichkeit. Der Künstler, dessen Werk sich bis heute jeglicher Einordnung in kunsthistorische Epochen oder Kategorien entzieht, schaffte es wie kaum jemand, in seinen Bildern das Dasein in all seinen Facetten abzubilden. Das Belvedere widmet Lovis Corinth eine umfassende Ausstellung.

Lovis Corinth (1858 - 1925) gehörte zur Gründungsriege der Münchner Secession, war gemeinsam mit Walter Leistikow und Max Liebermann eine der Leitfiguren, sowie Erster Vorstand der Berliner Secession. Corinth war Grenzgänger und Verführer, Lebemann und Genießer: Mit seiner Frau Charlotte war er im Berliner Gesellschaftsleben stets präsent. Er genoss sein Leben in vollen Zügen und war sich gleichzeitig über die Vergänglichkeit alles Irdischen im Klaren. Dies spiegelt sich in seinem widersprüchlichen und einzigartigen Werk wider. Seine Gemälde lassen sich weder dem Symbolismus noch dem Impressionismus noch dem Expressionismus zurechnen, doch verbinden sich in ihnen deren Stilelemente. Sein Schaffen entzieht sich bis heute jeder kunsthistorischen Einordnung.

Anhand der Themenwahl des Künstlers beleuchtet die Ausstellung Corinths Selbstverständnis als Maler, die Gründe für seine Sonderstellung in der Kunstgeschichte sowie die Spannungsfelder und Ambivalenzen, die in seinem künstlerischen Werk und seiner Biografie auftreten. Die Vielfalt der Motive ist Ausdruck seiner umfassenden Intention, das Leben in allen Facetten abzubilden. In seinen Gemälden spannt er den Bogen von einem feinen, fast akademisch wirkenden Farbauftrag und Bildaufbau bis hin zu einer nahezu ekstatischen Malweise.

Der Aufbau der Ausstellung orientiert sich an den Themenkomplexen, die sich durch Corinths jahrzehntelanges Schaffen ziehen: Familie, Stillleben und darin die Vanitas-Thematik, die ihn zeit seines Lebens begleitete und die schon früh in den brutal wirkenden Schlachthausbildern zu Tage tritt; der Körper und die Aktmalerei sowie seine herausragende Stellung als (Selbst-)Porträtist; seine stilistischen und thematischen Grenzgänge, die sich besonders in mythologischen oder literarischen Themen äußern; und zuletzt seine Landschaftsbilder, die vor allem im letzten Lebensabschnitt bei zahlreichen Aufenthalten im Sommerhaus in Walchensee entstanden.

Die Ausstellung beruht auf den Beständen des Belvedere, in dessen Besitz sich neun hervorragende Gemälde befinden, und des Saarlandmuseums in Saarbrücken, ergänzt durch zahlreiche Leihgaben.

Lovis Corinth - Das Leben, ein Fest!
18. Juni bis 3. Oktober 2021

Oberes Belvedere
Prinz Eugen Straße 27
A - 1030 Wien

W: http://www.belvedere.at/

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  •  18. Juni 2021 3. Oktober 2021 /
 Lovis Corinth, Der Herzogstand am Walchensee im Schnee, 1922  © Belvedere, Wien
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 Lovis Corinth, Liegender weiblicher Akt, 1907  © Belvedere, Wien, Foto: Johannes Stoll
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 Lovis Corinth, Geburt der Venus, 1923  Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, Foto: Wolfram Schmidt
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 Lovis Corinth, Die Lebensalter (Teil I), 1904  Privatbesitz, Foto: Alexander Laurenzo
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 Lovis Corinth, Herbert Eulenberg, 1924  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien
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