2. Oktober 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / Filmriss
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Ungemein dynamisch und einfallsreich, in einem furiosen Mix aus Action und Slapstick sowie einem Rausch der Farben erzählt Eric Darnell in dieser computeranimierten DreamWorks-Produktion von der langen Reise der einst geflohenen New Yorker Zootiere von Afrika zurück in die USA. Der Weg führt quer durch Europa, wobei sich die Zootiere einem Wanderzirkus anschließen müssen, um einer verbissenen Verfolgerin vom Tierfängerdienst zu entkommen. - Ein mitreißender Spaß für Jung und Alt.

Die Pinguine haben sich schon aus Madagaskar nach Monte Carlo abgesetzt. Zurückgeblieben sind Alex der Löwe, Marty das Zebra, Melman die Giraffe und Gloria das Nilpferd. Als Alex zum Geburtstag ein Lehmmodell von New York erhält, wird die Sehnsucht nach der Heimat übergroß und sie folgen den Pinguinen. An der Côte d`Azur dringen sie in einem coolen Coup ins Casino ein, doch die Großwildjägerin Chantel Dubois ist ihnen auf den Fersen, sodass die Tiere nur versteckt in einem Wanderzirkus entkommen können.

Über Rom, die Schweiz und London führt die Reise quer durch Europa, wobei die vier Zootiere, allen voran Löwe Alex, auch wieder die längst erloschene Leidenschaft des Zirkus wecken und dem zunächst feindseligen russischen Tiger Vitali bei der Überwindung eines Traumas helfen müssen. Nur langsam rückt so das Ziel New York näher...

Nach zwei "Madagascar"-Filmen kann Regisseur Eric Darnell auf eine lange Exposition verzichten und sofort loslegen. Mit Liebe zum Detail sind hier nicht nur die Figuren gezeichnet, sondern auch die unterschiedlichen Schauplätze gestaltet, bei denen Darnell die Realität sorgfältig kopiert und auch lustvoll mit den jeweiligen lokalen Klischees spielt. Höchst elaboriert ist auch der Musikeinsatz, wenn in Rom Opernarien die Handlung begleiten, in der Schweiz ein paar Jodler zu hören sind, daneben aber auch die Verfolgerin Dubois Edith Piafs "Rien de rien" singt und natürlich auch Popsongs nicht fehlen dürfen.

Die Musik unterstützt das furiose Tempo, das angeschlagen wird. Äußerst effektvoll und exzessiv wird 3 D eingesetzt, Actionszenen wechseln mit Slapstick, spektakuläre Verfolgungsjagden mit Zirkusnummern, bei denen der Löwe und eine Leopardin als Artisten wie schwerelos durch die Lüfte fliegen und sich ein Rausch der Farben und des Lichts entwickelt. Aber auch abseits dieser Szenen begeistert diese Dreamworks-Produktion mit einer Farbenpracht, die allein schon beste Laune verbreitet.

Die emotionale Tiefe und Vielschichtigkeit von Pixar-Filmen wie "Wall E", "Up" oder "Ratatouille" erreicht "Madagascar 3" zwar nicht. Zu dynamisch ist dieser Film um bei einer Figur oder einer Szene länger zu verweilen, will vor allem wie ein Zirkus perfektes entfesseltes Entertainment bieten. Wenn Löwe Alex kritisiert, dass die Zirkustiere diese Begeisterung verloren haben, die Leute nicht mehr fesseln können, weil sie nur noch einstudierte alte Nummern mechanisch wiederholen, aber sich nichts Neues mehr einfallen lassen, klingt das auch wie eine Kritik an einem Hollywood, das vor allem Remakes und Sequels produziert, doch an "Madagascar 3" lassen sich diese Abnützungserscheinungen nicht feststellen. Frisch und lustvoll ist das inszeniert, genau mit der Leidenschaft, die Alex dem Wanderzirkus erst wieder zurückgeben muss.

Und nebenbei wird doch auch die Message, dass man mit der Unterstützung von Freunden auch das Unmögliche schaffen kann, und die Aufforderung stets Neues zu wagen und das Abenteuer zu suchen ebenso mitgeliefert, wie ein eng gefasster "Heimat"-Begriff hinterfragt wird. Denn nach all ihren Abenteuern müssen Alex, Mary, Melman und Gloria erkennen, dass ihr Zoo vielleicht doch nicht das Paradies ist, sondern ein Leben on the road mit den neu gewonnenen Freunden vom Wanderzirkus viel aufregender, bereichernder und auf jeden Fall freier ist.

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Trailer zu "Madagascar 3: Flucht durch Europa"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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