25. Juni 2020 - 5:06 / Ausstellung 
27. Juni 2020 6. Dezember 2020

Die repräsentative Auswahl von Erwerbungen aus der graphischen Sammlung der Sturzenegger-Stiftung steht unter dem doppeldeutigen Motto "Menschen sehen". Sie nimmt zum einen das menschliche Sehen der Natur in den Blick und zeigt zum anderen Sichtweisen von Künstlerinnen und Künstlern auf den Menschen. Aktueller Anlass der Kabinett-ausstellung ist das 100-jährige Jubiläum der Bank Baumann (vormals Bank Sturzenegger). Deren Beiträge ermöglichen der 1987 gegründeten Sturzenegger-Stiftung ihr Engagement für das Museum. Dabei galt das Interesse der Stiftungsgründer besonders auch der Erweiterung der Graphischen Sammlung.

Menschen "sehen" (Rheinfälle)

Der erste Raum widmet sich dem Rheinfall. Die Menschen sahen ihn über Jahrhunderte unterschiedlich. Dies manifestiert sich in seiner Darstellung. Eine repräsentative Auswahl der grossen Rheinfallsammlung des Museums zeichnet diesen Wandel exemplarisch nach: Anfangs galt der Wasserfall als Hindernis für die Schifffahrt, seine wirtschaftliche Nutzung wurde im Bild vermittelt. Mit der touristischen Erschliessung ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verschob sich das Interesse auf unterschiedlich geartete Empfindungen angesichts einer überwältigenden Natur.

Durch die künstlerischen Entwicklungen im Lauf des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein wurde der Umgang mit dem Rheinfallmotiv heterogener. Je nach den individuellen Interessen von KünstlerInnen an Natur, Erleben oder Motivgeschichte fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus.

Die Rheinfall-Darstellungen werden in der Präsentation nicht chronologisch, sondern motivisch einander gegenüber gestellt. Dadurch entstehen überraschende Vergleiche von Alt und Neu.

"Menschen" sehen (Existenzen)

Im zweiten Raum werden schlaglichtartig Arbeiten des 17. – 21. Jahrhundert präsentiert, welche die menschliche Existenz in all ihrer Ambivalenz zeigen. Es handelt sich dabei um ein wichtiges Charakteristikum der Kunstsammlung des Museums zu Allerheiligen.

"Menschen sehen" ist hier doppelbödig: es beinhaltet das Sehen der Betrachter*innen und die dabei ausgelösten Gedanken und Empfindungen beim Anblick menschlicher Existenzen. Es vermittelt aber auch den Blick von KünstlerInnen auf Menschen.

Die Sichtung der Bestände führte zu einer Präsentation, die assoziativ in der Werkauswahl und ungebunden in der Interpretation entstand. Der innere Zusammenhalt der stilistisch sehr unterschiedlichen Werke könnte eine gewisse Melancholie sein, vielleicht Themen aufgreifend wie Trauer und Gebrochenheit, Gewalt und Tod oder auch Ruhe und Stille; oder auch ganz eigene Sichtweisen der Betrachter*innen entstehen lassen.

Menschen sehen
Einblicke in die Graphische Sammlung der Sturzenegger-Stiftung vom 16. Jahrhundert bis heute
27. Juni bis 6. Dezember 2020

Museum zu Allerheiligen
Klosterstrasse 16
CH - 8200 Schaffhausen

T: 0041 (0)52 633 07 77
F: 0041 (0)52 633 07 88
E: admin.allerheiligen@stsh.ch
W: http://www.allerheiligen.ch/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  27. Juni 2020 6. Dezember 2020 /
Joseph Mallord William Turner (1775-1851), Der Rheinfall bei Schaffhausen, 1841 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Joseph Mallord William Turner (1775-1851), Der Rheinfall bei Schaffhausen, 1841 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Claude Louis Châtelet (1753-1794), Vue de la Cascade de Schaffouse vue de Coté, 1780/81 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Claude Louis Châtelet (1753-1794), Vue de la Cascade de Schaffouse vue de Coté, 1780/81 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Honoré Daumier (1808-1879), le dessinateur, um 1860 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Honoré Daumier (1808-1879), le dessinateur, um 1860 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Martin Disler (1949-1996), Ohne Titel, 1984 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Martin Disler (1949-1996), Ohne Titel, 1984 (c) Museum zu Allerheiligen Schaffhausen