20. Dezember 2011 - 3:30 / Walter Gasperi / Filmriss
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Nicht weniger als einen Atomkrieg verhindern und die Welt retten muss die Einsatztruppe "Impossible Mission Forces" (IMF) im vierten Sequel der Kinoadaption der Fernsehserie "Kobra, übernehmen Sie". Die Story ist Nebensache, dient nur als Anlass für spektakuläre Action-Szenen an exotischen Schauplätzen. Diese aber haben es in sich und sorgen für rasante Popcorn-Unterhaltung.

Von Budapest nach Moskau, weiter nach Dubai und dann nach Mumbai führt die Handlung des Films, der trotz der 133 Minuten erst am Ende in Seattle zur Ruhe kommt. Rasend schnell folgt Actionszene auf Actionszene, fulminant ist schon die Pretitle-Sequenz in Budapest und Moskau: Auf eine Verfolgung in der ungarischen Hauptstadt folgt eine vom IMF-Planer Benji Dunn (Simon Pegg) ferngesteuerte Revolte in einem Gefängnis in der russischen Metropole. Zu Dean Martins "Kick in the Head" boxt sich IMF-Kopf Ethan Hunt (Tom Cruise) dabei ins Freie, ehe im furiosen Vorspann verbunden über eine Zündschnur die folgende Filmhandlung schon angerissen wird.

Auf die Befreiung folgt sogleich ein neuer Auftrag, bei dem der Truppe aber ein verrückter Wissenschaftler (Michael Nykvist) zuvor kommt. Als der Kreml in die Luft fliegt, leugnen die USA jede Verbindung zu IMF, die nun im Geheimen und ohne Hilfe von Außen ermitteln müssen, einerseits den Wissenschaftler, der einen Atomkrieg auslösen will, finden müssen, andererseits von einem russischen Kommissar, der sie des Anschlags auf den Kreml verdächtigt, gejagt werden.

Vom wahnwitzigen Tempo und spektakulären Actionszenen lebt der erste Realfilm von Animationsfilmregisseur Brad Bird. Mit grandiosen Flugaufnahmen stellt er immer wieder die Schauplätze vor, nähert sich am Beginn aus unterschiedlichen Perspektiven Budapest, fliegt später über eine fantastische Wüstenlandschaft in Richtung Dubai. Welches Actionfeuerwerk Bird dann dort mit Kletterpartie am 828 Meter hohen Burj Khalifa Wolkenkratzer, vermischt mit einem doppelten Täuschungsmanöver, einem Frauenkampf und einer wilden Verfolgungsjagd mitten durch einen Sandsturm entfesselt, sucht seinesgleichen. Kaum weniger furios ist aber auch das Finale in Mumbai.

Nicht nur auf einer Ebene entwickelt Bird dabei immer die Handlung, sondern verschränkt, unterstützt von seinem Cutter Paul Hirsch, virtuos die Aktionen der vier IMF-Mitarbeiter, steigert die Spannung, indem sie gleichzeitig Jäger wie Gejagte sind. Dies so zu inszenieren, dass der Zuschauer dabei nie den Überblick nie verliert, ist schon eine kleine Meisterleistung.

Über den Sinn des Films sollte man sich freilich nicht allzu viel Gedanken machen. Teamgeist wird zwar betont, der wichtiger ist als jede Technik, doch im Kern geht es nur um zwei Stunden mitreißendes Entertainment. Differenzierte Personenzeichnung ist nicht nötig, die starke physische Präsenz der SchauspielerInnen und die rasante Erzählweise tragen "Mission Impossible 4".

Im Gegensatz zu vielen Actionfilmen stehen dabei aber weniger spektakulären Explosionen und Materialschlachten im Mittelpunkt als vielmehr immer das IMF-Team, das sich stets vor neue scheinbar unlösbare Aufgaben gestellt sieht. Schweißtreibende Spannung entwickelt Bird bei diesen Einzelaktionen, bei denen mal Körperkräfte, mal futuristische Technik eingesetzt wird. Dabei wird die ganze Sache erfreulicherweise nicht ganz ernst genommen, sondern mit Humor versetzt, was diesem Sequel Leichtigkeit verleiht.

Nur um den Spaß des Zuschauers geht es und auch wenn es "Mission: Impossible 4" an Charme und Vielschichtigkeit sicher nicht mit Birds Animationsfilmen wie "Der Gigant aus dem All", "The Incredibles" oder "Ratatouille" aufnehmen kann, so ist ihm hier doch ein großzügiger Actionfilm gelungen, der dank aufregender Schauplätze, origineller Actionszenen und markant-einprägsamer Figuren ein Actionfilm gelungen, der zwei Stunden spannende Unterhaltung bietet, dessen Wirkung mit Filmende freilich aber auch wie eine Seifenblase zerplatzt.

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Trailer zu "Mission Impossible 4 - Phantom Protokoll"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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