11. Oktober 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Moustapha Akkad erzählt in seinem 1976 entstandenen Historienfilm von der Entstehung des Islams und orientiert sich dabei stilistisch an den christlichen Bibelfilmen ebenso wie an den Epen eines David Lean. Bei Winkler-Film ist diese mit Unterstützung Muammar al Gaddafis gedrehte internationale Großproduktion auf DVD erschienen.

Ein ganz anderes Bild des Islams als das islamfeindliche Machwerk "Die Unschuld der Muslime" zeigt Moustapha Akkads Historienfilm. Mohammed selbst bekommt man im Film des aus Syrien stammenden und in den USA lebenden Sunniten Akkad weder zu sehen noch zu hören. Zu heilig ist der Religionsgründer dem Islam, als dass man ihn bildlich darstellen dürfte. Seine Präsenz ist nur spürbar, wenn Gesprächspartner zu ihm direkt in die Kamera sprechen oder die Kamera aus seiner Perspektive seinen Ritt zur Kaaba zeigt, wobei nur sein Kamel und sein Stock sichtbar sind.

In den Mittelpunkt rücken damit seine ersten Anhänger und seine Gegner, über die die Geschichte der Entstehung und Ausbreitung des Islams erzählt wird und die in ihren Reden die Worte Mohammeds zitieren. Erst mit der Vision des 40-Jährigen setzt der Film ein, schildert dann den Widerstand und die Feindschaft der Kaufleute von Mekka, die im alten polytheistischen Glauben die Grundlage ihres Wohlstands sehen und Schaden durch die neue Religion fürchten, die Flucht nach Abessinien, die Vertreibung aus Mekka 622 und die Schlachten auf der arabischen Halbinsel bis zur friedlichen Einnahme Mekkas und Mohammeds Tod.

Immer wieder werden dabei die Lehren Mohammeds in den Mittelpunkt gerückt, wird das Neue und das Positive herausgestrichen. Hier wird nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern wie in den Bibelfilmen auch eine Lehre verbreitet, wird kein kriegerisches Bild des Islam gezeichnet, sondern ein friedliches: Gleichheit der Rassen, Aufhebung der sozialen Unterschiede, Gleichstellung der Frau und der hohe Wert der Bildung sind Punkte die angesprochen werden. Nicht von Heiligem Krieg zur Ausbreitung des Glaubens ist hier die Rede, sondern die Waffe wird nur ergriffen um sich zu verteidigen. Die Grausamkeiten begehen hier die Gegner des Islams, die die neue Religion verfolgen und ihre Anhänger teils brutal foltern.

"Mohammed – Der Gesandte Gottes" zielt unübersehbar darauf ab das vielfach negative Bild, das im Westen über den Islam herrscht, zu korrigieren und will Überzeugungsarbeit leisten und gleichzeitig ein großes Publikum erreichen. Der Film schwelgt in epischen Bildern von Ritten durch die Wüste, baut starke Gegensätze auf, bietet eine blutige Schlacht in der Wüste.

Langeweile kommt in den 170 Minuten kaum auf, doch an Tiefgang und Differenzierung lässt es diese Großproduktion, die gleichzeitig in einer Fassung mit westlichen Stars wie Anthony Quinn und Irene Papas und arabischen Schauspielern gedreht wurde, doch vermissen.

Da gibt es keine Bruchstellen und keine Widerhaken. Klar sind die Grenzen zwischen Gut und Böse gezogen. Klar wird die Lehre vorgestellt und gepredigt, doch Ambivalenzen, die zum eigenen Nachdenken anregen könnten, fehlen. Oberflächlich bleibt dieser bunte und handlungsreiche Bilderbogen damit, bietet aber trotzdem für ein Massenpublikum einen einfachen Einblick in die Entstehung des Islams. Trotz dieses ungetrübt positiven Bild des neuen Lehre rief dieser Film bei seiner Uraufführung heftige Proteste von strenggläubigen Moslems hervor.

An Extras bietet die DVD neben Trailer und Bildergalerie vor allem ein 45-minütiges Making of. An Sprachversionen gibt es die englische, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, und die deutsch synchronisierte Fassung.

Trailer zu "Mohammed - Der Gesandte Gottes"



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