25. Mai 2011 - 2:32 / Bühne / Musiktheater 

Schönberg hat selbst an der Aufführbarkeit seiner Oper "Moses und Aron" gezweifelt; doch 25 Jahre nach Fertigstellung des zweiten Aktes (der dritte Akt blieb unvollendet) war es so weit: 1957 fand die szenische Uraufführung im Rahmen der Juni-Festspiele am Opernhaus Zürich statt und ebnete dem visionären, alle Kräfte eines Opernhauses fordernden Bekenntniswerk Schönbergs den Weg auf die Bühnen der Welt. Heute gilt die Oper als eines der wichtigsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Frage, wie sich der Gedanke im Wort begreifbar machen lässt, ohne auf Bilder zurückzugreifen. Im biblischen Kontext geht es dabei um die monotheistische Gottesidee. Moses wird von Gottes Stimme, die aus dem brennenden Dornbusch zu ihm spricht, beauftragt, das Volk der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien und zum Glauben an den "einzigen, ewigen, unsichtbaren und unvorstellbaren" Gott zurückzuführen. Da ihm jedoch die Gabe des Wortes fehlt, muss er sich auf seinen Bruder Aron verlassen, von dessen Erleuchtung die Stimme aus dem Dornbusch spricht. Dieser nimmt Zuflucht zu Wundererscheinungen und lässt schliesslich, während Moses am Berg Sinai die Gesetzestafeln empfängt, den Dienst an den alten Götzen wieder zu. Eine Orgie der Trunkenheit, der entfesselten Erotik und der Vernichtungswut entlädt sich im Tanz um das Goldene Kalb. Als Moses zurückkehrt, zieht er seinen Bruder zur Rechenschaft; die Gesetzestafeln zertrümmert er verzweifelt.

Mit Achim Freyer, der für Regie, Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, ist es gelungen, einen der bedeutendsten Theatermacher der Gegenwart erstmals ans Opernhaus Zürich zu engagieren, der sich häufig mit zeitgenössischem Musiktheater (u.a. Philipp Glass, John Cage, Helmut Lachenmann) auseinandergesetzt hat. Seine Theaterarbeiten sind von gedanklicher Strenge, poetischen Bildfindungen und grosser Suggestivkraft geprägt. Für eine eindrückliche musikalische Interpretation garantiert Christoph von Dohnányi. Wie kein Zweiter kennt der Dirigent, der sich zeitlebens für die musikalische Avantgarde eingesetzt hat, die hochkomplexe, zwölftönige Partitur Schönbergs: Bereits in den siebziger Jahren leitete er in Frankfurt und in Wien sowie 1995 in Paris wegweisende Aufführungen dieses Werks.

Moses und Aron von Arnold Schönberg
mit deutscher und englischer Übertitelung
Dirigent: Christoph von Dohnányi
Inszenierung: Achim Freyer
Premiere: Sonntag, 15. Mai 2011

Weitere Vorstellungen:
18./ 20./ 22./ 24./ 26./ 29. Mai 2011

Opernhaus Zürich
Falkenstrasse 1
CH - 8008 Zürich

T: 0041 (0)44 26864-00
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