3. März 2010 - 2:27 / Bühne / Musiktheater 

Mozarts "Idomeneo" steht einerseits noch in der barocken Tradition der Opera seria mit ihren ausgedehnten Rezitativen und großen Affekten, andererseits brechen Mozart und sein Librettist Varesco diese traditionelle Form schon vielfach auf. Nach jüngsten Forschungsergebnissen des österreichischen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt, der Idomeneo im Juli 2008 im Rahmen des Styriarte-Festivals erstmals auch selbst inszeniert hat, handelt es sich bei dieser Oper um eine unter dem Einfluss von Mozarts Paris-Reise und dem in München wirkenden Mannheimer Orchester entstandene reine "Tragédie lyrique", allerdings in italienischer Sprache.

Für die Hauptpartie war der schon 66-jährige Publikumsliebling Anton Raaff vorgesehen, der außer virtuosen Läufen nicht mehr sehr viel zu bieten hatte. Mozart komponierte ihm daher viele "geschnittene Nudeln", wie er die Koloraturen selbst nannte. Seine Arien für die Figur der Ilia gehören zu den schönsten Eingebungen des Komponisten. Die Rolle des Idamantes ist ursprünglich für einen Kastraten komponiert, wurde später auch oft mit einem Tenor besetzt und heute meistens von einer Mezzosopranistin gesungen. Hinreißend ist das Liebesduett Ilia-Idamantes im 3. Akt, ebenso dramatisch das darauffolgende Quartett. Beim Orakelspruch am Ende der Oper, der von einem Bassisten in Begleitung tiefer Blechbläser hinter der Bühne gesungen wird, offenbart sich noch einmal die große Opern-Geschicklichkeit Mozarts: Vom Librettisten ursprünglich als lange Rede gedacht, verkürzte der Komponist den Spruch auf einen Satz, mit dem Argument, die gespenstische Wirkung gehe verloren, wenn das Publikum zu lange Zeit hat, sich zu überlegen, woher diese Töne kommen.

Leopold Mozart warf seinem Sohn vor, für das Orchester zu schwer zu schreiben, tatsächlich ist schon die Ouvertüre sehr virtuos, in der Oper gibt es eine Arie mit konzertanten Holzbläsern (Nr. 11 Se il padre perdei). Wolfgang wusste aber, dass die Spannung einer Aufführung immer erhöht wird, wenn auch die Instrumentalisten gefordert werden. Überhaupt zeichnet sich die Partitur durch einen äußerst differenzierten und farbigen Orchestersatz aus.

Für eine geplante Wiederaufführung in Wien im Jahr 1786 schrieb Mozart für den Idamante - der nun mit einem Tenor besetzt werden sollte - die große konzertante Arie mit solistischer Violine Non temer, amato bene (KV 490). Das Liebesduett zwischen Ilia und Idamante S"io non moro ersetzte er durch das neugeschriebene Duett Spiegarti non poss"io (KV 489), welches das gleiche Ausgangsmotiv wie das ursprüngliche Duett verwendet, aber wesentlich kürzer ist. Die für Wien nachkomponierten Stücke sind zwar wunderbare Musik, fallen aber in ihrer reifen Abgeklärtheit stilistisch völlig aus dem Rahmen der sonstigen expressiven, feurigen "Idomeneo"-Musik. Interessanterweise verwendete Mozart den Text der nachkomponierten Arie Non temer auch noch für eine Konzertarie für Sopran, Klavier und Orchester (KV 505).

Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozart
Premiere: Samstag, 20. Februar 10, 18.30 Uhr
Dirigat u. Inszenierung: Nikolaus Harnoncourt
Choreographie: Heinz Spoerli

Mit: Eva Mei (Elettra), Marie-Claude Chappuis (Idamante), Julia Kleiter (Ilia); Saimir Pirgu (Idomeneo), Christoph Strehl (Arbace), Rudolf Schasching (Gran Sacerdote), Pavel Daniluk (La Voce)

Weitere Vorstellungen:
23./ 25./ 28. Februar 2010
2./ 4./ 7. März 2010

Opernhaus Zürich
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