Kurt Bracharz

1. Januar 2007 - 15:58

Am 28. November 2006 kündigte »die tageszeitung«, Berlin, in der linken oberen Ecke ihrer Titelseite einen Artikel im Blattinneren an: »Endlich eine gute Nachricht aus dem Irak: Erste Damentoilette in Erbil eröffnet«. Ich dachte mir, es sei seltsam, dass die linke »taz« ohne weiteren Kommentar eine Satire auf den Titel setzt, aber der von einer Journalistin verfasste Artikel auf Seite 11 erwies sich als ernst gemeint: In der nordirakischen kurdischen Regionalhauptstadt war in Gegenwart des Provinzvizegouverneurs, lokaler Honoratioren und des Regionalfernsehens ein Damenklo eröffnet worden, ein absolutes Novum nicht nur für die 800.000-Einwohner-Stadt, sondern für den ganzen Irak und weit darüber hinaus.

Eine irakische Sozialarbeiterin und Journalistin hatte das in zweijähriger Kleinarbeit durchgesetzt. Bis dahin gab es nicht einmal in allen Restaurants mit einem so genannten »Familienabteil« Frauentoiletten, in den immer mit Männerklos ausgestatteten Moscheen sowieso nicht. Nur Arztpraxen waren noch eine Möglichkeit, sonst musste frau eben den Bazarbesuch abbrechen und eiligst nach Hause zurückkehren. Insofern war die Klo-Eröffnung von Erbil durchaus berichtenswert, nur das »endlich eine gute Nachricht aus dem Irak« war wohl unfreiwilliger Zynismus angesichts der täglichen Geschehnisse, die man ohne Übertreibung einen Bürgerkrieg nennen darf (auch, wenn die Nachrichtenleute fast täglich die Phrase »der Irak kommt nicht zur Ruhe« bevorzugen).

Was für eine Nachricht aus dem Irak war nun die von Saddam Husseins Hinrichtung in den Morgenstunden des 30. Dezember? Good news or bad news? Es kam, wie immer, auf den Empfänger an, Bush freute sich, Haider nicht. Die Exekution an einem moslemischen Feiertag hat Saddam wohl zum Märtyrer gemacht, ein grober Fehler. Die kolonialismuserfahrenen Franzosen haben Massenmördern wie Idi Amin, Bokassa oder Duvalier jun. immer Asyl geboten und sie dort zu Witzfiguren werden lassen; Lächerlichkeit tötet politisch nachhaltiger als der Strick.

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