1. Juni 2019 - 7:51 / Ausstellung  / Reminder
8. Juni 2019 27. Juli 2019

Zurück zur Natur, Digital Detox & Biophilia-Effekt: Die Natur als Sinnbild von Unberührtheit und als Sehnsuchtsort erfährt derzeit wieder eine Renaissance. Doch wie viel Raum bleibt in Zeiten digitaler Wildnis für die „unangetasteten“ Produkte unserer Erde?

Ist eine solche Dichotomie überhaupt noch zeitgemäß? Und: Ist „Natur“ angesichts der Vielschichtigkeit ihrer Bedeutungsebenen heute bereits Kampfbegriff? Mit der Ausstellung Nature \ nature versammelt der Kunstraum Niederoesterreich zehn Positionen, die sich der Zukunft und dem Stand der Natur unter Einfluss unserer technologisierten Gegenwart widmen. Wurde die Natur jahrhundertelang als Gegenpol zur Kultur gesehen, so ist diese Trennung heute nicht mehr haltbar: Neue Hybridformen zwischen organischer/anorganischer Umwelt und technischen Artefakten machen eine solche Unterscheidung obsolet. Die von Mirela Baciak kuratierte Schau fordert heraus, über die Stabilität eines Begriffs von Natur nachzudenken, denn, so die Kuratorin: „Letztlich gilt: Die Natur war schon immer eine menschliche Erfindung, sie war nie natürlich, sondern wurde natürlich gemacht.“

Als eines der sogenannten „Escape-Zeichen“ ist der Backslash (umgekehrter Schrägstrich) in Programmiersprachen ein typographisches Zeichen dafür, dass das Folgende eine andere Bedeutung hat und anders zu behandeln ist. Im Zeitalter der Digital Natives, in denen uns die Natur über Bildschirme begegnet, und sich in Müllbergen neue Lebensräume formen, nimmt das augenscheinlich Natürliche neue Gestalten an. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten österreichischer und internationaler Künstler_innen untersuchen, auf welche Weise sich Technologie mit Natur verschränkt, und wie unsere Biosphäre und unsere Gedankenwelt zunehmend von der Interaktion mit technischen Gerätschaften geprägt werden: Inwiefern können Natur und Technologien voneinander profitieren?

Die Besucher_innen erwarten Beiträge, die sich der Vorstellung von Natur als einem übergeordneten kohärenten Ganzen entziehen, um stattdessen deren verschiedene Facetten zu reflektieren, und die teils eigens für die Ausstellung konzipiert wurden. Cyber- und ökofeministische Positionen stehen neben der Suche nach Spuren der Natur im Digitalen; eine Drohne in Gestalt einer Krähe neben Objekten, die durch das Zusammenwachsen von Pflanzen und Müll entstanden sind. Durch die Infragestellung der binären Trennung von Natürlichem und Unnatürlichem wird die Diversität von umstrittenen Naturbegriffen offengelegt: Unser Planet birgt nicht nur die eine Natur, sondern eine Vielfalt, die immer schon soziokulturell eingebettet ist und sich im ständigen Wandel befindet.

Künstler_innen
Agency of Singular Investigations (RU), Anders Eiebakke (NO), Thomas Geiger (DE/AT), Nicholas Hoffman (AT/US), Daria Irincheeva (RU/AT), Diana Lelonek (PL), Flaviu Rogojan (RO), Omer Wasim & Saira Sheikh (PK), Hui Ye (AT/CN), Julia Znoj (AT/CH)

Kurator_in
Mirela Baciak (AT)

Nature revisited
8. Juni bis 27. Juli 2019

Kunstraum Niederösterreich
Herrengasse 13
A - 1014 Wien

T: 0043 (0)1 90421-11
F: 0043 (0)1 90421-12
E: office@kunstraum.net
W: http://www.kunstraum.net/

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  •  8. Juni 2019 27. Juli 2019 /
Schistidium apocarpum on a post-household habitat, 2017. Photograph from the Center for Living Things collection. Courtesy of the artist.(c) Diana Lelonek
Schistidium apocarpum on a post-household habitat, 2017. Photograph from the Center for Living Things collection. Courtesy of the artist.(c) Diana Lelonek
Post-adidas enviroment with the Brachythecium Rutabulu, 2017. Photograph from the Center for Living Things collection. Courtesy of the artist. (c) Diana Lelonek
Post-adidas enviroment with the Brachythecium Rutabulu, 2017. Photograph from the Center for Living Things collection. Courtesy of the artist. (c) Diana Lelonek