15. Februar 2009 - 2:33 / Ausstellung / Archiv 
12. Dezember 2008 21. Februar 2009

Der Malerei verschrieben hat sich die Ausstellung "New Folks" im Kunstraum Niederoesterreich, zu der VertreterInnen einer Generation von jungen Künstlerinnen und Künstlern eingeladen sind, die gerade das Potenzial ihres künstlerischen Ausdrucks entdecken. Als mögliche "VorgängerInnen" werden ihnen bereits etablierte künstlerische Positionen mit Arbeiten zur Seite gestellt werden, die sich gleichermaßen durch ihre Unmittelbarkeit wie durch einen hohen Grad an Authentizität auszeichnen.

Begriffe wie Öffnung, Entblößung, Rauheit, Witz, Bosheit, Zärtlichkeit, Optimismus oder Melancholie lassen sich angesichts dieser Werkschau assoziieren, die gerade auch dem Reiz des Unvollkommenen ihren Tribut zollt. Der Titel der Schau wurde bewusst mit Bezug auf die Musikrichtung "New Folk" gewählt, die in ihrer einfachen, aber unkonventionellen Art und Weise als Huldigung an die Schönheit des täglichen Lebens und der persönlichen Erfahrung verstanden werden kann.

Eine Gemeinsamkeit fast aller gezeigten KünstlerInnen besteht darin, dass sie sich in vielen Kunstgattungen – von der Malerei über die Grafik bis hin zu Musik und Performance – zu Hause fühlen. Diesem Umstand wird besonders im Ausstellungskatalog Tribut gezollt: Jede/r der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler wurde gebeten, einen selbst verfassten oder ausgewählten (Song-)Text beizusteuern. Diese Texte treten mit den gezeigten Arbeiten in ein Spannungsverhältnis, dessen Sinnhaftigkeit sich oft erst aus einer gewissen spielerischen Distanz heraus erschließen lässt.

Die aus Tirol stammende Andrea Lüth beschäftigt sich mit der unmittelbaren Darstellung von Gefühle evozierenden Situationen, die sie von der Zeichnung in die Radierung überträgt. Die Transformation in das Medium Radierung bedeutet gleichsam eine Aufwertung ihrer Themen. Auch Birgit Petri arbeitet mit Radierungen. Sie versteht sich als Beobachterin, ihre Arbeiten sind dem entsprechend narrativ, sehr persönlich, tagebuchartig und werden immer wieder mit Text ergänzt.

Die aus Niederösterreich stammende Stephanie Mold zeigt eine in Istanbul entstandene zehnteilige Zeichenserie, mit der sie – beeinflusst durch ihre Erlebnisse in dieser zeitlos scheinenden Stadt - ihre Sehnsucht nach einem romantischen, mußevollen Künstlerdasein ausdrücken möchte. Die integrierten Stickereien machen ihre Arbeit kostbarer und verleihen ihnen etwas Rätsel- oder Märchenhaftes.

Die Gruppe Krafftmalerei (Clemens Denk, Philipp Hanich und Thomas Weinberger) konzipiert für denKunstraum Niederoesterreich einen Hütteneinbau samt malerischer Innenausstattung. Ihr lustvollprovokantes Motto dabei: "Wir ersparen dem Publikum nichts." Clemens Denks (NÖ) Arbeiten entstehen – einer parasitären Strategie folgend – aus der Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte. Denk setzt etablierte Genres, formale Auffälligkeiten oder auch Künstler-Aussprüche an den Beginn seiner oftmals spontan ablaufenden Bildentstehungen. Die Resultate können durchaus auch Widersprüchlichkeiten inhaltlicher und formaler Art aufweisen, sind Ausdruck eines spielerischen Eklektizismus.

Der Niederösterreicher Thomas Weinberger dagegen kombiniert in seinen Arbeiten klassische Bildsujets aus dem Western-Genre mit dem Stil der romantischen Malerei des 19. Jahrhunderts, beispielsweise eines Caspar David Friedrichs. Die großformatigen Gemälde von Philipp Hanich sind ganz dem Thema des Erhabenen gewidmet. Fast schwarz in schwarz zeigen sie einen gestrandeten Wal oder einen Kirchenbau auf einem Hügel, dessen leuchtende Fenster im dunklen Bildgrund einen starken Akzent setzen.

Marlene Haderers Installation "Cool" wächst förmlich in den Kunst-Raum hinein, die schwungvoll auf Papier geschüttete Leuchtfarbe breitet sich in abstrakten, teils an Rohrschach-Test erinnernden Formen über Wände und Boden aus, dazwischen begegnen uns kleine Tierchen in bunten Farben. Existenzielle Fragen, ein gewisser Weltschmerz und eine Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit beschäftigen die Künstlerin. Ursula Maria Probst alias female obsession malt, performt, schreibt und ist als DJin tätig. In der Performance "Everybody says I love you" dekonstruiert sie eben diesen auf eine Wand applizierten Titeltext und gleich auch die Wand selbst mit einem Presslufthammer. Im Kunstraum sind Filmstills sowie die dazugehörige Arbeit auf Leinwand zu sehen.

Inga Hehns Ölgemälde scheinen auf den ersten Blick gegenstandslos monochrom an der Wand zu hängen. Fast wie durch einen Bilderrahmen wird die dargestellte Leere gefasst, greifbarer gemacht. Einen ganz anderen Einblick hingegen gibt ihre Arbeit "Die Möse" in ihrer schwerelosen Sinnlichkeit. Zu den jüngsten TeilnehmerInnen der Ausstellung zählt Esther Strauss. In ihrem Video scheitert der Versuch der grün gekleideten Künstlerin, in der Öffentlichkeit der Natur einen Busch zu besteigen. Fast bildhaft wirkt dieser vergebliche Versuch durch die starre Kameraeinstellung.

Bernhard Webers zarte, teilweise fast süssliche Monotypien leben von der Ambivalenz ihrer Motive, die teils psychotisch anmutend zwischen Humor und Anstößigkeit schwanken wie beispielsweise bei dem Jungen, der ein Kätzchen im Mund trägt. Märchenhaft, hysterisch, unschuldig schaffen seine Arbeiten Raum in Zeiten stetig wachsender Anforderungen seitens der Gesellschaft. Ganz anders nähert sich Ben Ross einer Sicht der heutigen Gesellschaft an: die vier von ihm gezeigten Fotoprints mit dem Titel "Die Puffinseln" schwanken zwischen Allmachtsdarstellungen und Weltverbesserungsvorschlägen, die der Künstler ad absurdum führt.

Zu den bereits etablierten KünsterInnen der Ausstellung zählen Gelitin, Ursula Hübner, Andreas Karner und Tex Rubinowitz. Ursula Hübner zeigt Arbeiten aus einer neuen Collagen-Serie mit dem Titel "Golden Nature". Die Collagen beschäftigen sich mit der symbiotischen Verschmelzung zwischen Pflanze, Tier und Mensch und stellen - ähnlich wie in den orientalischen Grotesken des 16. Jahrhunderts - eine Huldigung an die Schönheit der Natur dar. Von dem vor allem als Cartoonisten bekannten Tex Rubinowitz werden vier seiner kleinformatigen Malereien – ausgeführt in Öl auf Holz - mit dem Titel "Die Holzbeatles" gezeigt, zu denen er einen anekdotischen Text für den Katalogbverfasst hat. Die Zeichnungen von Andreas Karner schließlich sind geprägt von kindlicher Unschuld, die neben Erotik, Sexualität und Tod zu bestehen versucht, während Gelitin eines "der" Motive der Kunstgeschichte aufgreifen. Ihre verwegenen Mona Lisa-Bilder sind in kindlich lustvoller Form mit Elementen aus Plastilin bestückt.

KünstlerInnen: female obsession, Gelitin, Marlene Haderer, Inga Hehn, Ursula Hübner, Andreas Karner, Krafftmalerei (Clemens Denk, Philipp Hanich, Thomas Weinberger), Andrea Lüth, Stephanie Mold, Birgit Petri, Ben Ross, Tex Rubinowitz, Esther Strauss, Bernhard Weber


New Folks
12. Dezember 08 bis 21. Februar 09

Kunstraum Niederösterreich
Herrengasse 13
A - 1014 Wien

T: 0043 (0)1 90421-11
F: 0043 (0)1 90421-12
E: office@kunstraum.net
W: http://www.kunstraum.net/

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Philipp Hanich
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Ursula Hübner
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Andrea Lüth