5. November 2019 - 1:02 / Aktuell 

Der erst zum vierten Male vergebene Österreichische Buchpreis geht in diesem Jahr an den 1961 in Mils bei Imst geborenen Tiroler Schriftsteller Norbert Gstrein. Gestrein, der heute zusammen mit seiner Familie in Hamburg legt, erhält die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen neuen Roman "Als ich jung war". Der Autor erzählt hier eine raffinierte, vielfach verzahnte Geschichte mit zwei Schaupätzen (einem Schlosshotel in Tirol und einem Wintersportort in den USA) und zwei mysteriösen Todesfällen. Der Roman lässt sich auch lesen wie ein Krimi, allerdings verzichtet Gstrein auf jegliche Auflösung zahlreicher Rätsel, die seine trügerische und vielschichtige Story prägen.

Nach Meinung der Jury erinnert Gstreins Roman an das Gedicht "Zwielicht" von Joseph von Eichendorff: "Die Dämmerung bricht an, etwas Numinoses legt sich über das Land. Selbst dem Freund ist nicht zu trauen in dieser Stunde der verlorenen Sicherheiten." Denn der Autor sei ein Meister des "zwielichtigen" Erzählens, der Zeichen um Zeichen setze.

Neben Norbert Gstreins "Als ich jung war" befanden sich auch noch Raphaela Edelbauer mit "Das flüssige Land", Sophie Reyer mit "Mutter brennt", Karl-Markus Gauß mit "Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer" und Clemens J. Setz mit dem Erzählband "Der Trost runder Dinge" auf der Shortlist. Die bisherigen Auszeichnungen gingen an Friederike Mayröcker (2016), Eva Menasse (2017) und Daniel Wisser (2018).

Der mit 10'000 Euro bestückte Debütpreis wurde an die junge Kärntnerin Angela Lehner für ihren bei Hanser erschienenen Roman "Vater unser" vergeben. Lehners "fulminanter Debütroman, unsentimental, frech und direkt erzählt, ist Familiengeschichte, Krankenhausreport und Krimi in einem – und zugleich ein kritischer Befund eines katholisch geprägten Österreich, in dem auf den Hausaltären neben dem Rosenkranz das gerahmte Porträtfoto von Jörg Haider liegt“, so die Begründung der Jury. Die Autorin, 1987 in Klagenfurt geboren, ist in Osttirol aufgewachsen und lebt in Berlin.