30. Juli 2020 - 8:49 / Ausstellung 

Gustav Klimts berühmtes Gemälde "Nuda Veritas" (1899) kam über den Nachlass des Kritikers und Autors Hermann Bahr (1863-1934) in das Theatermuseum. In ungeschützter Frontalität fordert die "Nackte Wahrheit" den Betrachter heraus. Der vorgehaltene Spiegel wird zur programmatischen Haltung. Für kompromisslose künstlerische Wahrhaftigkeit, ganz im Sinne der Secession, deren erster Präsident Gustav Klimt war, steht auch Schillers Sentenz: "Kannst du nicht allen gefallen durch deine That und dein Kunstwerk – mach es wenigen recht. Vielen gefallen ist schlimm".

Hermann Bahr, der unermüdliche Propagator der Moderne, verstand das Gemälde als Bestätigung seines Tuns und erwarb es im Sommer 1900. In der Auseinandersetzung um Gustav Klimts Werke, besonders um die skandalisierten Fakultätsbilder, ergriff er leidenschaftlich Partei. Gemeinsam mit Koloman Moser publizierte er die Schrift Gegen Klimt, eine Zusammenstellung journalistischer Schmähungen, die sich nach Auffassung der Herausgeber selbst entlarvten.

"Klimt abholen" – eine knappe Notiz, die Bahr neben ganz alltäglichen Besorgungen in einem Büchlein eintrug. Diese Aufzeichnung findet sich neben Klimts Gemälde und anderen Objekten in der Neuaufstellung des Raumes zur Entstehungsgeschichte einer intensiven "Dreiecksbeziehung": Gustav Klimt – Nuda Veritas – Hermann Bahr.

Nuda Veritas. Gustav Klimt und Hermann Bahr
Wiedereröffnet seit Februar 2020
Ständige Präsentationen

Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2
A - 1010 Wien

W: https://www.theatermuseum.at

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Gustav Klimt (1862–1918), Nuda Veritas, 1899 Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Gustav Klimt (1862–1918), Nuda Veritas, 1899 Theatermuseum © KHM-Museumsverband
Hermann Bahr, 1900, Carl Pietzner / Public domain
Hermann Bahr, 1900, Carl Pietzner / Public domain