11. Juni 2019 - 7:24 / Aktuell / Auszeichnung 
13. Juni 2019

Im Juni 2019 werden zum zweiten Mal die Pax Art Awards verliehen. Mit den wegweisenden Preisen für digitale Kunst ehrt die Art Foundation Pax in Zusammenarbeit mit dem HeK medienspezifische Praktiken Schweizer Künstler_innen, deren Werke Medientechnologien nutzen beziehungsweise deren Auswirkungen reflektieren. Die diesjährigen Preisträger_innen sind die Künstlergruppe knowbotiq sowie die Künstler Alan Bogana und Félicien Goguey.

Mit den Pax Art Awards 2019 wird die Arbeit einer etablierten Künstlergruppe und zwei Nachwuchskünstlern prämiert, welche die Schweizer Medienkunstszene in den letzten Jahren geprägt haben und auch in Zukunft beeinflussen werden. Mit einem Preisgeld von CHF 30'000 wird die seit Jahren tätige Gruppe knowbotiq bestehend aus Yvonne Wilhelm und Christian Hübler für ihre avancierte und langjährige Arbeit im Feld der Medienkunst ausgezeichnet. Mit einem Betrag von CHF 15'000 unterstützt die Art Foundation Pax die beiden Künstler_innen bei der Produktion einer neuen Arbeit. Weitere CHF 15’000 dienen dem Erwerb eines Werks der Gruppe für die Sammlung der Art Foundation Pax. Zwei weitere Preise werden an junge, aufstrebende Medienkunstschaffende vergeben. Jeweils CHF 15’000 inklusive Preisgeld und Ankauf erhalten der Tessiner Alan Bogana und der in Genf lebende Félicien Goguey.

Im Frühjahr 2020 werden in einer Ausstellung im HeK bestehende und neue Werke der drei Preisträger_innen gezeigt.

Preisträger_innen

knowbotiq
Durch ihre langjährige Künstlertätigkeit hat knowbotiq bestehend aus Yvonne Wilhelm (1962) und Christian Hübler (1962) – ehemals gemeinsam mit Alexander Tuchacek als knowbotic research aktiv – die Medienkunstszene in der Schweiz entscheidend geprägt. Die Künstlergruppe, welche eine Professur am MFA-Programm der Zürcher Hochschule der Künste innehat, gehört zu den Pionieren in diesem Bereich. Die Werke, welche in den letzten fast 30 Jahren entstanden sind, bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissen, Information und Technologie. Von Anfang an widmete sich das Künstlerduo der Entwicklung forschungsbasierter Arbeiten, vernetzter Handlungsmächte, immersiver Realitäten, epistemischem Ungehorsam und der Medialität des Wissens.

Die Herangehensweise von knowbotiq ist mal poetisch, mal konzeptuell und ihre Arbeiten untersuchen dabei beispielsweise die Geschichte der Tarnung oder der Kybernetik. Die öffentliche Performance Macghillie ist ein vielschichtiges Werk, das sich mit strategischer Tarnung als Mittel des Rückzugs aus dem Selbst und dem Zweck beschäftigt und gleichzeitig mit der Sichtbarkeit im urbanen Raum experimentiert. Jüngst hat sich knowbotiq mit neuen Arbeitsbedingungen in der Logistikbranche und der digitalen Wirtschaft beschäftigt.

Amazonian Flesh zeigt Kokons des Müssiggangs, ein kollektives Geflecht aus Körpern, Bots und digitalen Artefakten, die Konzepte wie Unfähigkeit, Streik und Untätigkeit in einer Arbeitsumgebung mit fast vollständig automatisierten Abläufen diskutieren. Ihre jüngsten Werke sind beeindruckend dichte poetische Darstellungen dessen, was es bedeutet, heute mit Technologie zu leben.

Die Jury würdigt insbesondere die konzeptionelle Tiefe der Arbeit von knowbotiq und die philosophischen Aspekte ihrer künstlerischen Untersuchungen, die Themenvielfalt sowie die formale Sorgfalt bei der Präsentation der komplexen Installationen und Performances.

Alan Bogana
Boganas einzigartige künstlerische Praxis konzentriert sich auf die Erforschung von Licht, materiellen Prozessen und Wechselwirkungen innerhalb einer Vielzahl von Naturphänomenen, insbesondere in Bezug auf Mineralien, Flüssigkeiten und Kristalle. Diese Bereiche erforscht und vertieft der Künstler durch die Anwendung verschiedener Medien und die Erweiterung ihrer Reichweite durch eine Reihe faszinierender Installationen und Vorrichtungen. Dies ermöglicht es den Betrachter_innen, in die verborgenen Bereiche unserer natürlichen Welt einzutreten. Boganium, handwavium et les autres ist eine Installation, die auf Boganas Forschungen im Musée de Minéralogie Mines ParisTech basiert, während derer er mehrere Mineralien der Sammlung digitalisierte, um ein fiktives System der Kategorisierung von Materialien zu etablieren. Mit Werken wie La Gogotta Desnuda, Thiotimoline oder Sineddoca hat Alan Bogana auch mehrere Arbeiten mit Holographie geschaffen, um die Verflechtung zwischen Naturphänomenen, ihren ästhetischen Qualitäten und dem wissenschaftlichen Diskurs weiter zu untersuchen.

Die Verbindung verschiedener Herangehensweisen und Medien, von Skulptur, Computergrafik und Elektronik bis hin zur 3D-Drucktechnik, bietet eine grosse Vielfalt an Sprachen und eine solide und vielfältige Anwendung mehrerer Werkzeuge. Boganas Kunstwerke konfrontieren die Betrachter_innen mit den Herausforderungen eines gemeinsamen digitalen Lebens und regen zum Nachdenken an, wie moderne Technologien zu neuen Sichtweisen und Imitationen der Natur beitragen.

Félicien Goguey
Mit einem Hintergrund in den Bereichen Kommunikationsnetzwerke, visuelle Studien und digitale Mediengestaltung dreht sich Gogueys Praxis um die Unwahrnehmbarkeit des Internets und seiner unsichtbaren Mechanismen sowie seiner politischen und sozialen Auswirkungen. Indem der Künstler das kreative Potenzial von Programmiersprachen und neuen Open Source-Technologien auslotet, schafft er interaktive Installationen, Live-Performances, Applikationen und vernetzte Objekte. Der Kern seiner Forschung konzentriert sich auf die Massenüberwachung innerhalb von Kommunikationsnetzen durch staatliche Instanzen und die Beziehungen zwischen überwachten Räumen und den Nutzer_innen.

Die Arbeit Masquerade ist ein Werkzeug, das entstanden ist, um Widerstand gegen die Online-Überwachung zu leisten, deren Existenz durch die Arbeit von Edward Snowden bekannt wurde. Das Werk besteht aus einer Box, die, sobald sie mit dem Internet verbunden ist, Schlüsselwörter sendet, die Überwachungssysteme alarmieren und ein konstantes Rauschen von Informationen erzeugen. Die Arbeit IPMapper: Tripod überwacht den lokalen WLAN-Verkehr in der Umgebung des Werks. Jedes IP-Paket (Internet Protocol-Paket) wird dann auf einer Weltkarte angezeigt, von der Quelle bis zum Ziel. So werden die lokale Aktivität in der globalen Realität des Internets visualisiert und die physischen und geopolitischen Herausforderungen aufgezeigt, welche dieses mit sich bringt.

Goguey diskutiert in seinen Werken aktuelle Themen, die unseren Alltag massgebend beeinflussen. Seine Arbeit zeichnet sich aus durch die Eleganz und Originalität der Werke sowie die einzigartige Art und Weise, wie sich Goguey nicht nur dem Internet als solchem, sondern auch dessen Infrastrukturen widmet.

Die Art Foundation Pax

Die Art Foundation Pax ist eine unabhängige Stiftung zur Förderung der digitalen und medienbasierten Kunst in der Schweiz und wird finanziell unterstützt von Pax. Sie wurde Ende 2017 ins Leben gerufen. Als eine der ersten Stiftungsaktivitäten wurden am 14.06.2018 die ersten Kunstpreise an das Duo !Mediengruppe Bitnik, die Künstlerin Lauren Huret und die Künstlergruppe Fragmentin vergeben.

Der Förderung gemeinnütziger Projekte hat sich Pax aufgrund ihres genossenschaftlichen Ursprungs verschrieben. Die Art Foundation Pax führt die langjährige Kunstsammeltätigkeit von Pax nun unabhängig weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Unternehmens- wie auch Gesellschaftskultur. Die Ausrichtung fokussiert auf die digitale Kunst, ein lebendiges und dynamisches Feld der zeitgenössischen Kunst, die auf die radikalen medientechnologischen Veränderungen unserer Zeit reagiert und neue Impulse setzt. Mit dieser Ausrichtung ist die Art Foundation Pax in der Schweiz einzigartig.

Pax Art Awards 2019. Preisverleihung
Donnerstag, 13. Juni 2019, 19:00 Uhr

HeK
Haus der elektronischen Künste Basel
Freilager-Platz 9
CH - 4142 Münchenstein/Basel

T: +41 / (0)61 331 58 41
W: https://www.hek.ch/

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  •  13. Juni 2019 /
knowbotiq, manYdancing the molecular ornaments, 2018, in collaboration with Alesandra Seutin and Lamin Fofana. Fotos: Kim Bode
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knowbotiq, manYdancing the molecular ornaments, 2019, in collaboration with Claudia de Serpa Soares and Lamin Fofana. Foto: Aya Schamoni
knowbotiq, manYdancing the molecular ornaments, 2019, in collaboration with Claudia de Serpa Soares and Lamin Fofana. Foto: Aya Schamoni
Foto: Migros Kulturprozent
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Boganium: Alan Bogana, Boganium, handwavium et les autres, 2018
Boganium: Alan Bogana, Boganium, handwavium et les autres, 2018
Drifts: Alana Bogana, Turbulent Drifts, 2018
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Transmutations: Alan Bogana, Transmutations I, 2016
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Foto: Rewa Bush
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Félicien Goguey, Masquerade, 2015-2019. Foto: Dylan Perrenoud
Félicien Goguey, Masquerade, 2015-2019. Foto: Dylan Perrenoud
Félicien Goguey, Masquerade, 2015-2019. Foto: Dylan Perrenoud
Félicien Goguey, Masquerade, 2015-2019. Foto: Dylan Perrenoud
Photo: Courtesy of the artist
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