11. Dezember 2011 - 2:08 / Ausstellung / Archiv 
18. Juni 2011 1. Januar 2012

Der bulgarische Künstler Plamen Dejanoff (* 1970 in Sofia, lebt in Wien) realisiert ab 18. Juni 2011 die Skulptur "The Bronze House" auf dem Gelände zwischen dem Hamburg Cruise Center und dem Unilever-Gebäude in der HafenCity. Die eindrucksvolle Außenfassade des architektonischen Entwurfs setzt sich aus zahlreichen in Einzelanfertigung gegossenen Bronzemodulen zusammen.

In Hamburg wird eine Skulptur zu sehen sein, die aus etwa 150 Elementen besteht und einen offenen Pavillon mit einer Grundfläche von ca. 40 qm und einer Höhe von ca. 4 m ergibt. In architektonischer Gestaltung und Ornamentik bezieht sie sich sowohl auf die maurische Bautradition als auch auf den modularen und klar gegliederten Bauhausstil.

Die offene und begehbare temporäre Skulptur verweist als (noch) leere Hülle sowohl auf die Funktion von Architektur, aber auch auf ein Verhältnis von Innen und Außen, auf den Raum und dessen Nutzung. Gleichzeitig fungiert sie als ein Satellit des Kunstvereins und wird als Plattform für gezielte Projekte und Veranstaltungen dienen. Über die kommenden Monate finden an oder in Beziehung zu diesem Ort nicht nur Architekturführungen, Workshops für Kinder und Jugendliche oder Vorträge statt, sondern auch Diskussionsveranstaltungen zur Zukunft des Wohnens und Lebens in der Stadt.

Seit vielen Jahren plant und entwickelt Dejanoff ein übergreifendes Projekt "The Bronze House" für die bulgarische Weltkulturerbe-Stadt Veliko Tarnovo. Seit 2006 wächst in verschiedenen Produktionsabschnitten und in Kooperation mit unterschiedlichen Ausstellungshäusern die bislang erste von fünf geplanten Bauskulpturen mit einer Gesamtfläche von 600 qm. Jede dieser fünf begehbaren Skulpturen soll zukünftig unterschiedliche Funktionen haben. Am Ende schwebt Dejanoff eine Künstlerkolonie vor, wie die von Donald Judd in Marfa initiierte Chinati Foundation: In der Peripherie des Kunstgeschehens, in der texanischen Provinz, richtete Judd seine Siedlung ein, die in der Region damals wie heute eine große Rolle spielt.

Diesem Vorbild folgt Dejanoff in Veliko Tarnovo mit seiner Kolonie aus Bronzehäusern/-skulpturen, die in unterschiedlichen Funktionen und mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten, z.B. als Künstlerateliers oder Ausstellungsräume, aber auch als Open-Air-Kino und Bibliothek in der Stadt eine gewichtige Rolle spielen sollen. "The Bronze House" reiht sich ein in das generelle Werk von Plamen Dejanoff, welches immer wieder Marketingstrategien aus angrenzenden Feldern übernimmt und Begehren schafft – mit glatten, glänzenden Oberflächen und Prinzipien der Inszenierung, die der Konsumwelt entlehnt sind.

Dejanoff gehört zu jenen Künstlern, die Konsum und Ökonomie, mediale Vermarktungs- und umfassende Vernetzungsstrategien bewusst einsetzen. Er macht sich ihre Prinzipien und Möglichkeiten zunutze, um seine Ziele zu verfolgen, und zwar ohne sie in ihr Gegenteil zu verkehren. Vielmehr ist seine Arbeit geprägt von einem großen Vertrauen in die Kunst, denn bei ihm bedarf sie keiner Abgrenzung von anderen gesellschaftlichen und ökonomischen Prozessen. Im Kunstverein Hamburg werden ab September 2011 im Rahmen einer Einzelausstellung von Plamen Dejanoff weitere Teile von "The Bronze House" als begehbare Skulptur, ergänzt um Objekte und Zeichnungen von Donald Judd, Gordon Matta-Clark oder Le Corbusier, präsentiert.

"The Bronze House" wird im Rahmen der Initiative "Kunst und Kultur in der HafenCity" realisiert. Die Kooperationspartner HafenCity Hamburg GmbH, Hamburgische Kulturstiftung und Körber-Stiftung haben das Ziel, gemeinsam künstlerische Ideen zu unterstützen, die den neuen Stadtraum kritisch kommentieren. Statt Juroren oder Kuratoren mit der Auswahl möglicher Kultur-Projekte zu beauftragen, sind drei Hamburger Institutionen – Deichtorhallen Hamburg, Kampnagel und Kunstverein Hamburg – eingeladen, in der HafenCity Kunstprojekte zu verwirklichen, die den Zwischenbereich von kritisch-künstlerischer Tätigkeit und Stadtmarketing hinterfragen sowie die kritische Auseinandersetzung mit Stadtentwicklung und Architektur suchen.

Plamen Dejanoff - The Bronze House
18. Juni 2011 bis 1. Januar 2012

Hamburger Kunstverein
Klosterwall 23
D - 20095 Hamburg

T: 0049 (0)40 32 21 57
F: 0049 (0)40 32 21 59
E: hamburg@kunstverein.de
W: http://www.kunstverein.de/

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The Bronze House, (144 Facade Elements), 2006 ? 2011. Foto: Fred Dott / Kunstverein Hamburg, 2011
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The Bronze House, (144 Facade Elements), 2006 ? 2011. Foto: Fred Dott / Kunstverein Hamburg, 2011
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The Bronze House, (144 Facade Elements), 2006 ? 2011. Foto: Fred Dott / Kunstverein Hamburg, 2011
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The Bronze House, (144 Facade Elements), 2006 ? 2011. Foto: Fred Dott / Kunstverein Hamburg, 2011