14. Januar 2020 - 5:45 / Film / Retrospektive 
15. Januar 2020 5. Februar 2020

Es gibt wenige österreichische Schauspieler mit einer vergleichbaren internationalen Karriere. Auf den Theaterbühnen ist Klaus Maria Brandauer bereits ein Star, als er von István Szabó die Hauptrolle in "Mephisto" angeboten bekommt – der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Sein Weg führt ihn bis nach Hollywood, wo er ein gefragter Charakterdarsteller ist. Doch die große Liebe zu den Brettern, die die Welt bedeuten, zieht ihn schließlich zurück nach Europa, in die Heimat. Hier wie dort, auf der Bühne wie auf der Leinwand: Brandauers Charisma und Darstellungskunst lassen ihn für sein Publikum zum Ereignis werden. Die Retrospektive präsentiert eine Auswahl von 17 Filmen, die auf anschauliche Weise davon zeugen.

Brandauer wird 1943 als Klaus Georg Steng in Bad Aussee geboren. Angeblich zieht es ihn schon von Kindesbeinen an auf die Bühne, sein Schauspielstudium bricht er allerdings nach kurzer Zeit ab. Erste Erfahrungen sammelt er an kleineren Landestheatern, bis kein Geringerer als Fritz Kortner auf ihn aufmerksam wird und ihm die Rolle des Prinzen in seiner letzten Emilia-Galotti-Inszenierung gibt. Ab 1972 ist er Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. In diese Zeit fallen die ersten Arbeiten vor der Kamera, häufig noch zusammen mit seiner ersten Frau, der Regisseurin Karin Brandauer. Seinen internationalen Durchbruch feiert er als von der Macht verführter Hendrik Höfgen im Oscargewinner "Mephisto" – eine schauspielerische Tour de Force.

Mit den Auszeichnungen häufen sich die Angebote, und umgekehrt. Die Rolle als Bond-Gegenspieler lehnt er zunächst ab, bis Sean Connery ihn mit der Aussicht auf "a lot of fun and a lot of money" überzeugt. Auch die des betrügerischen Baron Blixen in "Out of Africa", für die er einen Golden Globe und eine Oscarnominierung erhält, übernimmt er erst nach anfänglichem Zögern. Sein Interesse für gebrochene Figuren vertieft er gemeinsam mit "seinem" Regisseur István Szabó in "Oberst Redl" und "Hanussen", zwei weiteren Filmen, in denen sie die Mechanismen der Macht und die Verführbarkeit der Menschen ausloten.

Seine Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem Nationalsozialismus manifestiert sich auch in den beiden Spielfilmen, die Brandauer selbst inszeniert: Nach dem Leben des Widerstandskämpfers Georg Elser entsteht ein gleichnamiger Film, dem etwa eine halbe Dekade später die Thomas-Mann-Verfilmung "Mario und der Zauberer" folgt. Auch wenn sich Brandauer in den letzten Jahren zugunsten des Theaters etwas vom Kino zurückgezogen haben mag, bleiben seine Darstellungen im Film nach wie vor extrem genau, höchst intensiv und immer sehenswert. Brandauer ist nie ein typischer Held und selten ein unangezweifelter Sympathieträger. Man hat vielmehr das Gefühl, seine Figuren fordern die Zuschauer zum genauen Hinsehen, zum Nachdenken, vielleicht zum Einspruch auf.

Filmliste

Burning Secret (Andrew Birkin, GB/BRD 1989)
Das Spinnennetz (Bernhard Wicki, BRD 1989)
Der Weg ins Freie (Karin Brandauer, A/D 1982)
Die Auslöschung (Nokolaus Leytner, A 2013)
Georg Elser - Einer aus Deutschland (Klaus Maria Brandauer, BRD/A 1989)
Hanussen (István Szabó, H/BRD/A 1988), restaurierte Fassung
Jedermanns Fest (Fritz Lehner, A/D/F 2002)
Mario und der Zauberer (Klaus Maria Brandauer, A/F/D 1994)
Mephisto (István Szabó, BRD/H/A 1981)
Never Say Never Again (Irvin Kershner, US/GB/BRD 1983)
Oberst Redl (István Szabó, YU/H/A/BRD 1985)
Out of Africa (Sidney Pollack, US/GB 1985)
Streets of Gold (Joe Roth, US 1986)
The Lightship (Jerzy Skolimowski, US 1985)
The Russia House (Fred Schepisi, US 1990)
The Strange Case of Wilhelm Reich (Antonin Svoboda, A 2013)
White Fang (Randal Kleiser, US 1991)

Retrospektive Klaus Maria Brandauer
15. Jänner bis 5. Februar 2020
Kurator: Florian Widegger

Metrokino Wien
Johannesgasse 4
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 512 18 03
F: 0043 (0)1 512 18 03-15
E: metrokino@filmarchiv.at
W: http://www.filmarchiv.at/

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Das Spinnennetz (Bernhard Wicki, BRD 1989)
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Der Weg ins Freie (Karin Brandauer, A/D 1982)
Der Weg ins Freie (Karin Brandauer, A/D 1982)
Die Auslöschung (Nokolaus Leytner, A 2013)
Die Auslöschung (Nokolaus Leytner, A 2013)
Georg Elser - Einer aus Deutschland (Klaus Maria Brandauer, BRD/A 1989)
Georg Elser - Einer aus Deutschland (Klaus Maria Brandauer, BRD/A 1989)
Hanussen (István Szabó, H/BRD/A 1988), restaurierte Fassung
Hanussen (István Szabó, H/BRD/A 1988), restaurierte Fassung
Jedermanns Fest (Fritz Lehner, A/D/F 2002)
Jedermanns Fest (Fritz Lehner, A/D/F 2002)
Mario und der Zauberer (Klaus Maria Brandauer, A/F/D 1994)
Mario und der Zauberer (Klaus Maria Brandauer, A/F/D 1994)
Mephisto (István Szabó, BRD/H/A 1981)
Mephisto (István Szabó, BRD/H/A 1981)
Never Say Never Again (Irvin Kershner, US/GB/BRD 1983)
Never Say Never Again (Irvin Kershner, US/GB/BRD 1983)
Oberst Redl (István Szabó, YU/H/A/BRD 1985)
Oberst Redl (István Szabó, YU/H/A/BRD 1985)
Out of Africa (Sidney Pollack, US/GB 1985)
Out of Africa (Sidney Pollack, US/GB 1985)
Streets of Gold (Joe Roth, US 1986)
Streets of Gold (Joe Roth, US 1986)
The Lightship (Jerzy Skolimowski, US 1985)
The Lightship (Jerzy Skolimowski, US 1985)
The Russia House (Fred Schepisi, US 1990)
The Russia House (Fred Schepisi, US 1990)
White Fang (Randal Kleiser, US 1991)
White Fang (Randal Kleiser, US 1991)
The Strange Case of Wilhelm Reich (Antonin Svoboda, A 2013)
The Strange Case of Wilhelm Reich (Antonin Svoboda, A 2013)