verfasst von Haimo L. Handl / 30. September 2012 - 4:48 / Wort zum Sonntag
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In Frankreich werden in den vergangenen Wochen systematisch Roma von den Lagerplätzen vertrieben; oft bietet man ihnen ein Weggeld von 300,00 Euro, damit sie in ihre "Heimat" zurückkehren, meist Rumänien oder Bulgarien. Gegen geltendes EU-Recht versucht die sozialistische Regierung unter ihrem Paradesozialisten François Hollande, ähnlich wie vorher die konservative unter Nicolas Sarkozy, die lästigen Roma zu vertreiben; die dauernde Kriminalisierung und Hetze in den Massenmedien hilft dabei.

Der jüngste Vorfall in Marseille ist besonders eindrücklich. Zwar gab es keine Toten oder Verletzte; die Stürmung des Lagers durch sich belästigt fühlende Bürger eines Stadtteils, wo eine Romagruppe von ca. 30 Personen lagerte, führte nur zu deren "Wegzug" oder Flucht.

Danach verbrannten die Stürmer die Lagerreste. Die sozialistische Stadtteilbürgermeisterin (unserem Bezirksvorsteher gleichzusetzen) meinte, die Anwohner ihres Stadtteils Créneaux im Norden von Marseille hätten schon vorher gewarnt, dass sie die Roma nicht dulden werden und jetzt eben zum Abzug gezwungen, weil sie nicht freiwillig gegangen seien.

Die Polizei habe keine Festnahmen vorgenommen heißt es, weil keine Personen zu Schaden kamen, also keine Gewalttaten gegen Menschen erfolgten.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen und das Bild sich vergegenwärtigen: Da stürmen rabiate Kleinbürger ein Lager verhasster Zigeuner, zwingen sie unter Gewaltandrohung zur Flucht, zerstören die Reste des Camps, und die Behörden schreiten nicht ein, weil die Gewalttaten nicht gegen Menschen gerichtet waren. Wogegen denn? Gegen das Camp. Aha. Wären sie eingeschritten, wenn die Roma nicht geflüchtet wären, wenn es Kämpfe, Verletzte und Tote gegeben hätte? Dann hätten sie wohl müssen. So aber war die Gewalt eine, die den französischen Behörden ins Konzept zu passen scheint. Eine Vertreibungsgewalt. Sophistisch gewinkelt unterscheiden die französischen Behörden zwischen Gewalt an Menschen und anderer, und sehen keinen Grund zum Einschreiten, wenn es eine gegen Sachen ist, zumal dürftige Güter von verhassten Zigeunern.

Was, wenn eine Bande Häuser der braven Bürger angreift, beschädigt, zerstört? Wartet die Polizei darauf, ob es brachiale Akte gegen Menschen gibt? Schreitet sie erst ein, wenn Verletzte und Tote das Feld dekorieren? Wenn TV-Journalisten blutende Opfer zeigen können, und diese "Eigene" sind, Mitglieder der geachteten Gesellschaft?

Und all dies unter einem sozialistischen Präsidenten. Und einer Bevölkerung, die sich zivilisiert nennt. Die dennoch ihr ruchloses Verhalten mit dem dünnen Stereotyp legitimiert, die Zigeuner stehlten und verschmutzten. Verschmutzer und Diebe also. Das alte Lied. Die Menschen mit den sauberen Westen wollen den Unrat weghaben, den sie in den Untermenschen sehen. Mit allen Mitteln. Und der französische Staat hilft ihnen dabei.