4. Januar 2010 - 2:16 / Bühne / Musiktheater 

Die Zeit drängte: Der römische Karneval stand vor der Tür und auf ein Libretto hatten sich Auftraggeber, Komponist, Librettist und Zensur noch immer nicht einigen können. Der Librettist Jacopo Ferretti soll schliesslich – müde geworden, Vorschläge zu machen – im Halbschlaf gemurmelt haben: "Cinderella". "La Cenerentola ossia lla bontà in trionfo", wie die Oper im vollen Wortlaut heisst, ist eine Opera semiseria in zwei Akten von Gioachino Rossini auf der Basis des Märchens Aschenputtel (italienisch "La Cenerentola" nach der gleichnamigen Erzählung von Giovanni Battista Basile).

Von da an schrieben Rossini und Ferretti förmlich um die Wette, um die Premiere am Teatro Valle in Rom zum vorgesehenen Zeitpunkt zu ermöglichen. Innerhalb von 24 Tagen und mit Hilfe eines Ghostwriters, der zwei Arien lieferte, war die Oper fertig. "La Cenerentola" fiel beim Publikum zwar durch, aber Rossini blieb optimistisch: "Dummköpfe! Bevor der Karneval vorbei ist, wird man sie lieben... Die Impresari werden um sie kämpfen und noch mehr die Prime Donne." Und er sollte Recht behalten. Seit der Rossini-Renaissance im 20. Jahrhundert ist sie aus dem Repertoire der grossen Opernhäuser nicht mehr wegzudenken.

Regisseur Cesare Lievi und Ausstatter Luigi Perego zeigen in ihrer Deutung des Aschenbrödel-Märchens Menschen, die vom Druck des Verlangens und dem Wunsch nach Erfüllung im Leben getrieben werden und sich ständig zwischen Traum und Wirklichkeit bewegen. Der Plot ist deshalb in einen von Magritte und Delvaux inspirierten surrealistischen Raum mit offenen Wänden, unzähligen Türen und immer wiederkehrenden Dreiecksformen eingebettet. Lievi gelingt "intelligentes, stimulierendes Theater. Die lockere Verankerung des Wunderbaren in einer Bühnenwelt mit Hand und Fuss, Poesie und Witz", schrieb die Basler Zeitung anlässlich der Premiere euphorisch.

Für einen spritzigen Rossini sorgt bei dieser Wiederaufnahme ein Ensemble mit einigen der gefragtesten Rossini-Interpreten unserer Zeit: Als Cenerentola alias Angelina – die Engelhafte – sind Cecilia Bartoli und Silvia Tro Santafé alternierend zu erleben, die mit schwindelerregenden Koloraturen das Herz des (richtigen) Prinzen Don Ramiro (John Osborn) erobern. Oliver Widmer in der Rolle des (falschen) Prinzen Dandini gelingt es, den raffgierigen Vater Don Magnifico (Carlos Chausson) mitsamt seinen quengelnden Töchtern Tisbe und Clorinda (Sen Guo) in die Irre zu führen. László Polgár ist als Philosoph und Zauberer Alidoro der eigentliche Drahtzieher des Stücks. Für rhythmisches Jubilieren im Orchestergraben sorgt Muhai Tang.

Gioachino Rossini - La Cenerentola
Wiederaufnahme am Do 31. Dezember 09, 20 Uhr
Dirigent: Muhai Tang
Inszenierung: Cesare Lievi

Weitere Spieldaten:
Sa, 02.01.2010
Di, 05.01.2010

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