5. Dezember 2020 - 23:41 / Karlheinz Pichler / Ausstellung / Kunst 

Unter dem Titel "Der Stand der Dinge" läuft im Küefer Martis Huus in Ruggell (FL) derzeit eine sechsteilige Serie zum Kulturschaffen in der grenzüberschreitenden Region. Am Sonntag (14 bis 17 Uhr) geht Teil vier mit Werken von Helmut Gopp, Heinz P. Nitzsche und Daniela Peter zu Ende. Am 11.12. startet die fünfte Etappe der Serie mit Arbeiten von Marbod Fritsch, Martin Frommelt und Gertrud Kohli.

Mit der Reihe "Der Stand der Dinge" will Johannes Inama, der Leiter des Küefer Martis Huus, zusammen mit seinem Team nicht nur lokalen und regionalen Kunstschaffenden eine Plattform bieten, um einen aktuellen Einblick in ihr Schaffen zu geben, sondern auch alle Kunstinteressierten wieder zu einer intensiven Begegnung und Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Status Quo in Liechtenstein und Umgebung anzuregen. Die dichte Abfolge von Ausstellungsetappen soll Inama zufolge ansteckend wirken und die Vielfalt des Kunstschaffens sichtbar machen. Gleichzeitig unterwerfe sich das Küefer-Martis-Huus damit einem ständigen Wandel. Inama: „Der Stand der Dinge wird zum beweglichen Spiel, zum Kaleidoskop von Betrachtungsweisen unserer Wirklichkeit.“ Teil des Konzeptes ist auch, dass jeweils ein/e KünstlerIn zur Werkpräsentation eingeladen wird und dazu den Auftrag erhält, zwei weitere Positionen eigener Wahl in die Ausstellung mit einzubinden.

Nach Werner Casty, Simon Egger und Arno Oehri als erster Gruppe, Klara Frick, Beate Frommelt und Heide C. Heimböck als zweiter Gruppe und Arno Egger, Victorine Müller sowie Stephan Sude als drittem Teil der Serie, sind aktuell noch bis Sonntag Werke von dem 1947 in Feldkirch/Gisingen geborenen Helmut Gopp, Heinz P. Nitzsche (geboren 1954 in Grabs) und der in Hohenems lebenden und arbeitenden Daniela Peter, Jahrgang 1971, zu sehen. Gemeinsamer Nenner letzterer ist, dass sie eher „Spätberufene“ sind und alle mehr oder weniger „Quereinsteiger“ sind. So war Nitzsche zunächst als Architekt tätig, Gopp als Profisportler und Peter als Grafikerin und Gestalterin.

Gopp ist dafür bekannt, dass er mit unterschiedlichsten Materialien wie Acryl, Spachtelmassen, diversen Eisenpulvern und Mischtechniken experimentiert und sowohl abstrakte wie auch gegenständliche Bilder schafft. Nitzsch hingegen arbeitet überwiegend skulptural mit Holz, Beton oder Gips. Aber auch die Zeichnung und die Malerei haben einen grossen Stellenwert. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit den Dynamiken der Beziehung Mensch und Raum. Daniela Peter wiederum kombiniert aktuell Fotografie, Text und natürliche Materialien wie etwa Äste, Gräser, Blätter, Vertrocknetes und Vergängliches. In ihren Arbeiten versucht sie Verbindungen zwischen Möglichem und Unmöglichem auf die Spur zu kommen. Das Textskizzenbuch „frischlichtformen & blattformfühlen“ ergänzt die Werke und stellt Fragen.

Bei seinen Bildern im Obergeschoss („Explosion“, „Knall“, „Urgewalt“) hat Helmut Gopp Farbklumpen auf die Leinwand geworfen. Entsprechend breiten sie sich explosionsartig über den Bildträger auf. Interessanter sind aber jene Bilder, in denen er rostende Eisen- und Kupferpartikel als strukturbildende Elemente zum Einsatz bringt.

Von Heinz P. Nitzsche sind nicht nur Beispiele seiner bekannten Betonobjekte von ringförmig angeordneten Menschengruppen sondern, sondern auch frühe abstrakte Holzskulpturen, Skizzen von Menschengruppen sowie mit Papier oder Gitter geformte Kopfabdrücke. „Die von ihm geschaffenen figurativen Formen sind Ausdruck einer intensiven Beschäftigung mit Gruppenprozessen,“ sagt Kurator Inama.

Daniela Peter hat ihre fotografischen „Lichtschleifenüberlagerungen“ auf dunklem Grund im Technorama Winterthur aufgenommen. Ergänzt werden diese technoid anmutenden fotografischen Experimente durch Papierarbeiten, auf denen Abdrucke von „sonnengefluteten Blättern“ zu sehen sind. Skulptural in Betonguss/Keramik eingelassene Pflanzenelementen runden den vielleicht interessantesten Beitrag der Ausstellung ab.
Die vorletzte Etappe von „Der Stand der Dinge“ wird am nächsten Samstag, den 12.12., mit Arbeiten von Marbod Fritsch, Martin Frommelt und Gertrud Kohli gestartet. Die Eröffnung erfolg fließend: Von 15.00 Uhr bis 20.00 Uhr ist der Ausstellungsbesuch inklusive Gesprächen mit den anwesenden Kunstschaffenden möglich.

Der Stand der Dinge:
Teil 4: Helmut Gopp, Heinz P. Nitzsche, Daniela Peter
Bis 6.12.
Teil 5: Marbod Fritsch, Martin Frommel, Gertrud Kohli
11.12.-17.1.2021
Teil 6: Damiano Curschellas, Simon Kindle, Carol Wyss
22.1.-7.2.2021

Küefer-Martis-Huus
Giessenstraße 14
FL - 9491 Ruggell

W: http://www.kmh.li

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Heinz P. Nitzsche Heinz P.: Momentum, 2016, Eiche (Foto: Karlheinz Pichler)
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Helmut Gopp: Die Tiefe, Acryl, Kupfer, Edelstahlpulber auf Leinwand (Foto: Karlheinz Pichler)
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Daniela Peter: o.T., Betonguss, Keramik, Lack 1 - 3 (Foto: Kapi)
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Heinuz P. Nitzsche: Consilium, Steinguss, 2019 (Foto: Kapi)
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Daniela Peter: o.T., Fotografie
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