"Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen Flüchtigkeit und Dauer, die Struktur eines Materials und dessen Potenzial zur Veränderung." Der Bildhauerin Luka Fineisen geht es um Grenzen und die richtige Balance. Diese erkundet sie als neunte Künstlerin in der Ausstellungsreihe "Frischzelle".

Ihr neuestes Werk "Flutung" beeindruckt bereits vom oberen Stockwerk aus: eine über hundert Quadratmeter große Rauminstallation aus Zellophan begräbt die letzten, ins Untergeschoss führenden Treppenstufen unter sich. In dieser eigens für das Kunstmuseum Stuttgart geschaffenen, monumentalen Arbeit spielt die 34-jährige Künstlerin, die 2007 mit dem Max-Pechstein-Förderpreis ausgezeichnet wurde, mit den Gegensätzen von Schwere und Leichtigkeit, Transparenz und Dichte.

Nur eine schmale Passage bleibt dem Besucher, um an den gewaltigen Zellophanmassen vorbei in das untere Ausstellungsgeschoss zu gelangen. Luka Fineisens Installation "Flutung" präsentiert sich hier als massive Mauer von überraschend sinnlicher Präsenz. In dem filigranen Material bricht sich das Licht, die harte Oberfläche der Skulptur wirkt transparent wie ein Eisblock. "Es interessiert mich, wenn honigfarbenes Gießharz so aussieht, als würde es süß schmecken", erklärt Luka Fineisen, "wenn Tageslicht für einen Moment etwas Ewiges bekommt oder wenn zehn Tonnen Pfannkuchenteig etwas Asketisches ausstrahlen."

Nach einem dreijährigen Kunststudium am Memphis College of Art / USA kehrte Luka Fineisen 1999 nach Deutschland zurück, wo sie unter Irmin Kamp und Fritz Schwegler in Düsseldorf ihre Ausbildung fortsetzte. Das offene Klima an der dortigen Kunstakademie ermöglichte Fineisen, außergewöhnliche Skulpturen zu entwickeln, die durch ihre scheinbare Belebtheit und feine Struktur faszinieren. Im letzten Jahr gewann die gebürtige Offenburgerin für ihre raumbezogenen Projekte mehrere Preise.

Fineisens Arbeiten sind vielfältig, da sie auf die jeweilige Ausstellungssituation zugeschnitten sind: 2003 ließ die Künstlerin für eine Präsentation im Museum Folkwang in Essen kontinuierlich Schaum aus den Öffnungen der so genannten Sheddächer quellen. Ein anderes Mal verwandelte sie einen Lastenaufzug, den sie mit Strohballen füllte, in einen riesigen Tresor mit überdimensionalen Goldbarren. In der Kunstakademie Düsseldorf füllte Fineisen 2005 ein riesiges, sich über den gesamten Raum erstreckendes Becken mit einer an Pfannkuchenteig erinnernden Flüssigkeit, die von aufsteigenden Luftblasen belebt wurde. Neben visuellen und akustischen Reizen wurde bei dieser Arbeit auch der Geruchssinn des Betrachters angeregt.

Gemeinsam mit Gereon Krebber, der die "Frischzelle" in diesem Frühjahr gestaltete, stellte Luka Fineisen 2006 im Parkhaus im Malkastenpark Düsseldorf aus. Zwar verbindet beide, dass sie traditionelle Prinzipien der Bildhauerei mit alltäglichen Materialien umsetzen und ihre meist temporären Skulpturen in einen direkten Bezug zur Umgebung stellen. Dennoch schafft Fineisen es, der Herausforderung des anspruchsvollen "Frischzelle"-Raums auf ganz andere Art zu begegnen und der Architektur mit ihrer raumgreifenden Arbeit eine völlig neue Wertigkeit zu verleihen. Während Krebbers Skulpturen in den Raum eindringen und ihn besetzen, erinnern Fineisens Installationen an Naturphänomene, die zu einem Teil des Raumes werden.


Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft, das in Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden ist.

Frischzelle 09: Luka Fineisen
11. Oktober 08 bis 15. Februar 09



  •  11. Oktober 2008 15. Februar 2009 /
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