30. Oktober 2007 - 4:35 / Walter Gasperi / Filmriss
logo filmriss

Zwei Frauen, Anfang 40, wollen sich aus dem grauen Alltag befreien und ihrem Leben nochmals neuen Schwung verleihen. – Ganz auf die beiden Hauptdarstellerinnen vertraut die Regisseurin Colin Nutley, die Inszenierung bleibt dagegen eher einfallslos.

Der deutsche Titel spielt unbeholfen auf den dänischen Erfolgsfilm "Italienisch für Anfänger" an, denn mit einem Fremdsprachenkurs hat Colin Nutleys Film nichts am Hut. Ungleich treffender ist deshalb auch der Originaltitel "Heartbreak Hotel", bezeichnet dieser doch die Disco, in der sich die Polizistin Gudrun (Maria Lundqvist) und die Gynäkologin Lisa (Helena Bergström) im Laufe des Films regelmäßig zum Abtanzen, Saufen und Männer Aufreissen treffen. – Letzteres ist allerdings an einem Ort, an dem die 40-jährigen Frauen eher ihre Kinder als Gleichaltrige antreffen, schwierig.

Bis die beiden Frauen freilich aus dem Alltag ausbrechen, dauert es eine Weile. Frostig ist das erste Zusammentreffen der Beiden, teilt doch Verkehrspolizistin Gudrun einen Strafzettel an die zur Hochzeit ihres Sohnes hetzende Lisa aus. Unangenehm für Gudrun wiederum ist die zweite Begegnung, wenn sie erkennen muss, dass die Gynäkologin, bei der ihr ihre Tochter einen Termin beschafft hat, ausgerechnet Lisa ist. Trotz der ersten Konfrontation nimmt nun die frisch geschiedene Lisa das Heft in die Hand, regt die verhärmte Stubenhockerin, deren Mann angeblich tot ist, zum Disco-Besuch an. Was Lisa freilich an der so ganz anderen Gudrun findet, bleibt schleierhaft und ihr Interesse für sie damit wenig glaubwürdig.

Aus dem Kontrast dieser Frauen bezieht "Schwedisch für Fortgeschrittene" aber dennoch beträchtlichen Witz. Lustvoll arbeitet Nutley den Gegensatz in vielen Details heraus: Hier die hagere Gudrun, die lustlos Strafzettel verteilt, da es eben ihr Job ist, dort die selbstbewusste Lisa, die sich einfühlsam um ihre Patientinnen kümmert. Bis zu Kleidung und Körperpflege spielt Nutley diese Opposition durch: Während bei Gudrun schon die zugeknöpfte Dienstanzug und das ungeschminkte Gesicht auf die Lustfeindlichkeit verweisen, vermittelt Lisas adrette Aufmachung Vitalität und Lebensfreude.

So weit wie in Ridley Scotts furiosem Roadmovie "Thelma und Louise" gehen die beiden Damen zwar nicht, aber immerhin lässt sich Gudrun von Lisas Vitalität und Lebenssucht anstecken, flippt mit ihr ausgelassen auf der Tanzfläche aus und lässt sich mit Alkohol volllaufen. Mäßigung ist nach mehreren Partytouren angesagt, doch die innere Befreiung und Selbstfindung nimmt trotz diverser Hindernisse schließlich ihren Lauf.

Colin Nutley vertraut ganz auf ihre beiden Hauptdarstellerinnen. Wie sie die Frauen im mittleren Alter mit ihren faltigen Gesichtern vor dem Spiegel zeigt, ist in seiner Ehrlichkeit selten im heutigen Kino, in dem in der Regel nur junge und schöne Menschen präsentiert werden. Doch abgesehen von dem genauen Blick auf die beiden Protagonistinnen fällt der Regisseurin nicht allzu viel ein. Sie beschränkt sich mehr oder weniger auf einen Wechsel von Szenen von der Arbeit, Partys und kurzen Kontakten mit Kindern oder Ex-Mann.

Durchgängig ist das im Schuss-Gegenschuss-Verfahren oder in langen Halbnahen der Gesprächspartner inszeniert. Mit dem filmischen Raum wird hier nicht gearbeitet, die Konzentration liegt ganz auf den Figuren. Im schnellen Szenenwechsel geht Nutley dabei freilich nicht in die Tiefe, bleibt an der Oberfläche, wenn sich Maria Lundqvist im Eilzugstempo von der verhärmten Polizistin zum Partytiger wandelt oder wenn Probleme mit Verwandten auftauchen.
Wie die beiden Damen – zumindest zunächst - auf schnelle Unterhaltung und gute Laune aus sind und grölend durch Stockholm ziehen, so bietet auch "Schwedisch für Fortgeschrittene" nettes, dann und wann auch lautes und grobes Amüsement ohne wirklich Probleme auszuloten oder nachzuwirken. Dazu fehlt auch ein konsequenter dramaturgischer Aufbau.

Eher beliebig reiht Nutley einzelne Szenen aneinander, ein wirklicher Spannungsbogen, ein Erzählfluss und eine stringente Handlungsentwicklung vom Anfang bis zum Ende lassen sich aber nicht feststellen. – Durchschlagskraft fehlt somit dieser Komödie. Sie verbreitet zwar auf den ersten Blick gute Stimmung, lässt dann aber doch bei genauerer Betrachtung angesichts der vergebenen Chancen einen schalen Nachgeschmack zurück.

Wird heute (Dienstag, 30.10.) um 21.30 Uhr, morgen (31.10.) um 19.30 Uhr und am Donnerstag (1.11.) um ca. 21.30 vom TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos in schwedischer O.m.U. gezeigt.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)

Taskino
Mühletorplatz 1
A - 6800 Feldkirch

T: 0043 (0)5522 72 895
F: 0043 (0)5522 75 578
E: office@saumarkt.at
W: http://www.taskino.at/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



1828-1828schwedischfoto.jpg
Taskino
Mühletorplatz 1
A - 6800 Feldkirch

T: 0043 (0)5522 72 895
F: 0043 (0)5522 75 578
E: office@saumarkt.at
W: http://www.taskino.at/

weitere Beiträge zu dieser Adresse