13. April 2009 - 3:54 / Ausstellung / Archiv 
21. Januar 2009 19. April 2009

Anish Kapoor, 1954 in Bombay geboren, zählt zu den wichtigsten Bildhauern der Gegenwart. Das MAK präsentiert in der Ausstellung "Shooting into the Corner" neue Werke, die eigens für diese Schau entwickelt wurden, sowie ein Objekt aus dem Jahr 2006, und gibt einen Überblick über das jüngste Schaffen des heute in London lebenden Künstlers.

In der zentralen Halle des MAK wird das Hauptwerk dieser Präsentation, die räumliche Intervention "Shooting into the Corner" zu sehen sein. Mittels eines Katapults werden vorgefertigte Wurfgeschosse mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 Stundenkilometern an die Wände der Ausstellungshalle geschleudert. Dieses work in progress Anish Kapoors legt dabei kontinuierlich an Masse zu und breitet sich im Raum aus. Die Skulptur, die der Künstler auf diese Weise mithilfe einer Maschine schafft, wird bis zum Ende der Ausstellung ca. 20 Tonnen wiegen.

Bei diesen aktuellen Arbeiten, die seit 2008 entstehen, wird Wachs nicht abgetragen, sondern hinzufügt. Kapoor arbeitete früher mit dem gegenteiligen Prinzip. Das Werk "PastPresentFuture" (2006), das ebenso hier gezeigt wird, besteht aus einer ovalförmigen Kugel aus rotem Wachs, über die ein "Arm" aus Holz geführt wird, der das Wachs langsam abträgt. Es steht in engem Zusammenhang mit Kapoors erster großer Arbeit aus diesem Material "My Red Homeland" (2003). Bereits mit seinen ersten Skulpturen – einfachen, auf dem Boden ruhenden Formen mit farbigen Pigmenten – schuf der Künstler ein überaus vielgestaltiges Werk aus unterschiedlichen Materialien wie Stein, Stahl und Glas.

Seit 2000 beschäftigt sich Kapoor intensiv mit dem Material Wachs, das speziell für ihn produziert wird. Die für ihn charakteristische Farbgebung erzeugt er durch den Zusatz von Farbpigment. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht stets die Auseinandersetzung mit der Materialität, deren Sensualität und Haptik auf die Körperlichkeit der Werke hinweist. Seit den 1980er Jahren produziert Kapoor Skulpturen, die von seinem Geburtsland Indien inspiriert und auf abstrakte Weise poetisch sind. Sie erforschen die Wechselwirkung von Objekt, Abbild und Idee. Die Themen seiner Skulpturen – Leere, Transformation, Immaterialität, Glaube oder Leidenschaft – gehen weit über Formfragen hinaus und entstammen der Malerei. Die Faszination seiner Werke beruht auch auf dem charakteristischen Einsatz von Farbe.

Kapoor, der an diversen renommierten Kunstschulen in Indien und England studiert hat, zählt Werke von Künstlern wie Beuys und Barnett Newman ebenso zu seinen Einflüssen wie fernöstliches Kulturgut. 1990 vertrat er Großbritannien bei der Biennale von Venedig und wurde mit dem begehrten "Premio 2000" der internationalen Jury ausgezeichnet. 1991 wurde ihm der renommierte Turner-Preis verliehen. Einer der Höhepunkte der documenta IX 1992 in Kassel war sein Raum "Descent into Limbo". Aufsehen erregte er u.a. mit seinem Monumentalwerk "Marsyas" 2002 in der Turbinenhalle der Tate Modern in London und mit "Cloud Gate", einer 110 Tonnen schweren, rostfreien Stahlkonstruktion, die seit 2004 im Millenium-Park in Chicago zu sehen ist. Anish Kapoor arbeitet häufig an Architekturprojekten. Derzeit werden zwei von ihm konzipierte U-Bahnstationen in Neapel gebaut.

Die Ausstellung wird von zwei Publikationen begleitet: MAK Special Edition "Anish Kapoor Shooting into the Corner", herausgegeben von Peter Noever, mit Beiträgen von Bettina Busse, Lynne Cooke, Peter Noever und Michael Stavaric, deutsch/englisch, ca. 160 Seiten, ca. 90 Farbabbildungen, MAK Wien, 2009, Anfang März die gleichnamige Verlagsausgabe, erweitert um einen Textbeitrag von Burghart Schmidt sowie um zahlreiche Farbabbildungen, deutsch/englisch, 208 Seiten, MAK Wien/Hatje Cantz, Ostfildern, 2009.


Shooting into the Corner
21. Jänner bis 19. April 2009

MAK Wien
Stubenring 5
A - 1010 Wien

W: http://www.mak.at/

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Past, Present, Future, 2006. Wax and oil based paint, 345 x 890 x 445 cm. Photo: Dave Morgan; Courtesy: the artist and Lisson Gallery
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Artist?s studio, 2006. Photo: Dave Morgan