Kurt Bracharz

15. Januar 2007 - 9:15

Am 11. Januar 2007 ist im Alter von 75 Jahren Robert Anton Wilson gestorben. Das wird vielen Leuten nichts sagen, auch den meisten von denen nicht, die durchaus schon mit einem Phänomen in Berührung gekommen sind, das meines Erachtens von Wilson ausgelöst worden ist, nämlich dem großen Illuminaten-Quatsch.

RAW war ein amerikanischer Unterhaltungsschriftsteller, der von seinen Anhängern zum Guru, Philosophen und Erkenntnistheoretiker hochstilisiert wurde. Seine in den 70ern zusammen mit Robert Shea geschriebene »Illuminatus!«-Trilogie war ein amüsanter Roman, der populäre Mythologien durcheinandermixte und einen anarchistischen Hintergrund hatte, der sich zum Beispiel im SNAFU-Prinzip (»Situation Normal, All Fucked Up«, eigentlich eine Erfindung von G.I. in Vietnam) niederschlug.

Blöd war – im Nachhinein betrachtet – dass Wilson ausgerechnet die bayerischen Illuminaten als die großen Fädenzieher im Hintergrund der allgemeinen politischen Marionettenbühne auswählte, denn das bediente die wirren Phantasien der Rechtsradikalen hinsichtlich Freimaurern (die Illuminaten waren keine Freimaurer, hatten aber dank dem Freiherrn von Knigge, der einer war und viele warb, eine große Anzahl als Mitglieder).

Wilson selbst nahm Verschwörungstheorien – von denen es ja mittlerweile jede Menge gibt, vom Kennedymord über die angeblich gefakte Mondlandung bis zur dubiosen Lösegeldstory von Frau Ostenhoff – nicht sonderlich ernst, sondern verwendete sie als Spielmaterial. Sollte er wirklich geglaubt haben, man können die Menschen aufklären, indem man sie mit unverkennbarer Satire vor den Kopf stößt, hat er sich gründlich geirrt – Ironie und Satire erkennen die meisten nicht, ganz gleich, wie dick aufgetragen wird.

Wilsons Apologeten wie der famose Broeckers haben nur eines verstanden: dass man dem Staat nicht trauen kann. Das stimmt zwar, aber bei Wahlversprechen oder Kriminalitätsraten, keineswegs jedoch auf obskuren Gebieten wie UFO-Meldungen, Rinderverstümmelungen oder den Illuminaten.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)