26. Dezember 2011 - 2:02 / Archiv / Museum 

Die Sonderausstellung "Stofftiger und Mondhasen" zeigt China im Spiegel des chinesischen Spielzeugs und stellt dabei einige der chinesischen Feste eines Mondjahres vor: Das Mondfest wird im September gefeiert und erinnert an die Mondfee Chang E. Der Mondhase entstand aus einem Zaubertrank den die Mondfee benötigte, um zum Mond zu fliegen. Tiger wiederum sind in der chinesischen Kultur Schutztiere. Stofftiger werden in chinesischen Dörfern von den Großmüttern selbst genäht und Neugeborenen geschenkt. Sie sollen diese vor Gefahr und Unglück bewahren.

Anlass für die Ausstellung ist das 40jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Österreich. Kooperationspartner ist das Österreichische Institut für China und Südostasienforschung (ÖICF). Hier wird seit mehr als 50 Jahren chinesisches Spielzeug gesammelt und bei alten Meistern und Familienbetrieben, welche bereits seit Generationen hochwertiges Spielzeug herstellen, nachgeforscht.

China ist ein Land mit vielen Religionen. Buddhismus, Taoismus, Islam und Christentum sind vertreten. Viele Feste und Traditionen wurzeln aber im chinesischen Volksglauben, der mit buddhistischen und taoistischen Elementen vermischt ist. So bestimmen die Feste seit jeher den Ablauf eines chinesischen Mondjahres und beeinflussen das Leben der Menschen. Unabhängig von seinem Geburtstag wird beispielsweise der Bauer zum Mondneujahrsfest um ein Jahr älter. Die Jahrestiere von Braut und Bräutigam gelten als Zeichen dafür, ob eine Ehe harmonisch verlaufen wird. Beim Fest von Hirte und Weberin, dem chinesischen Valentinstag, versichern sich Paare ihrer Liebe.

Beim Mondfest prostet die Familie gemeinsam dem Mond zu und beim Laternenfest reichen die Großväter in Zhejiang ihre im Vorjahr geborenen Enkelkinder unter dem Lichterdrachen durch, um sie vor Krankheiten zu schützen. Während der Kulturrevolution (1966-1976) hat man vergeblich versucht, die althergebrachten Feste abzuschaffen. Seit ihrem Ende sind die mit diesen Festen verbundenen alten Bräuche wieder aufgeblüht und wurden teilweise sogar zu Feiertagen erklärt. Im gesamten nächsten Jahr werden im Spielzeug Museum Werkstätten zu den wichtigsten und spannendsten Festen im chinesischen Jahreskreis angeboten und gemeinsam mit den teilnehmenden Kindern gefeiert.

Drachen, Laternen oder Glücksbringer werden jedes Jahr zu speziellen Festen neu gekauft. Anderes traditionsreiches Spielzeug, wie zum Beispiel den Stofftiger bekommt man hingegen meist nur einmal im Leben. Spielzeug ist seit der Steinzeit bekannt: In Kindergräbern fanden Archäologen Ton- und Steinkugeln, die den Jagdgegenständen der Erwachsenen nachgebildet, jedoch kleiner und leichter sind. Fast sämtliches Kinderspielzeug war aus Ton gefertigt und gehört damit zur "Mütterkunst".

Es waren die Frauen, die mit Ton arbeiteten, damit die Utensilien des täglichen Gebrauchs herstellten und auch Tiere aus verschiedenen anderen Materialien formten. Erst später mit der Differenzierung der Produktionsweisen und der Herausbildung von hauptberuflichen Kunstgewerblern fand eine Verlagerung der Tätigkeit zu den Männern statt. Dennoch sind es auch heute in den ländlichen Gebieten immer noch die Frauen, die einen Großteil des volkstümlichen Spielzeugs herstellen.

Stofftiger und Mondhasen
Spielzeug aus China
17. Dezember 2011 bis 6. Jänner 2013

Spielzeug Museum
Bürgerspitalgasse 2
A-5020 Salzburg
T 0043 (0)662 620808-300

Öffnungszeiten:
Di bis So 9 - 17 Uhr



  •  17. Dezember 2011 6. Januar 2012 /
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Tigermützen, 20. Jh. Seide bestickt, Baumwolle; Sammlung der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft. © Salzburg Museum, Peter Laub
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Tonfigur mit Flugdrachen, 20. Jh.; Sammlung der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft. © Salzburg Museum, Peter Laub
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Marionetten, Junge vornehme Dame, Junger Held, 20. Jh. Seide, Holz; Sammlung der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft. © Salzburg Museum, Peter Laub