23. Oktober 2007 - 2:45 / Ausstellung / Installation 
16. September 2007 28. Oktober 2007

In Düsseldorf werden ab 16. September 07 auf rund 1.200 m² die neuesten Arbeiten des amerikanischen Medienkünstlers Gary Hill zu sehen sein. Mit seinen großformatigen Installationen setzt sich Hill auf eindringliche Weise mit dem Thema Werte, den Konditionen der Kunstproduktion und seiner eigenen Rolle im zeitgenössischen Kunstbetrieb auseinander.

Die Ausstellung zeigt insgesamt fünf Installationen und ein umfangreiches Videoprogramm. Kern der Ausstellung sind Gary Hills Neuproduktionen "Frustrum" und "Guilt". Beide Installationen sind Koproduktionen der Stiftung imai und der Fondation Cartier pour l’art contemporain in Paris und sind nun erstmalig in Deutschland zu sehen.

Trotz seiner herausragenden Bedeutung für die zeitgenössische Kunst gab es in Deutschland bislang nur eine Einzelausstellung mit Gary Hill. Für die Ausstellung in Düsseldorf wird Gary Hill in Zusammenarbeit mit der Stiftung imai die Installationen "In Situ" (1986/2007) und "Glass Onion" (1983/2007) restaurieren bzw. re-installieren und in einen aktuellen Bezug setzen. Erweitert wird das Ausstellungsprogramm durch eine Auswahl an Videoarbeiten des Künstlers.

Seit Hill vor 30 Jahren mit Video zu arbeiten begann, ist sein zentrales Thema die Untersuchung der Prozesse der Wahrnehmung und des Bewusstseins. Hintergrund dafür ist die Übermacht des technischen Bildes in unserer Kultur, der Gary Hill die Wirkung der Sprache als bedeutungsgebendes System gegenüberstellt. Hiermit verbunden sind Fragen nach Präsenz und Identität und die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und dessen Abbild. Das Medium Video setzt er dabei als poetisches Instrument künstlerischer Erkenntnis und Selbsterfahrung ein.

Die beiden in Kooperation mit der Fondation Cartier entstandenen Installationen "Frustrum" und "Guilt" sind bewusste Herausforderungen an die Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst und ein performatives Experiment, das die Bedingungen des Kunstschaffens und ihrer Rezeption in Frage stellt. Für "Frustrum" platziert Gary Hill einen speziell gegossenen Barren puren Goldes in der Mitte eines 63 m² großen Beckens, das mit 2000 Liter reinem Mineralöl gefüllt ist. Die Prägung des Goldbarrens "For everything which is visible is a copy of that wich is hidden" verweist auf die Mehrdeutigkeit der verwendeten Objekte, Bilder und Realitäten.

Die plakativen Werte, die Frustrum zeigt, sind nicht nur symbolisch, sondern real. In der tiefschwarzen Ölfläche spiegelt sich die Videoproduktion eines überdimensionalen Adlers, der sich in einem Hochspannungsmast verfangen hat und mit den Flügeln schlägt, um sich aus den Hochspannungsleitungen zu befreien. Bei jeder Berührung der Flügel mit den Leitungen ertönt ein durchdringender Knall, der zugleich die Öloberfläche in feine Wellenbewegungen versetzt und dadurch die Spiegelung des Bildes verschwimmen lassen.

Die Kraft und Poesie der Bilder in Gary Hills Werken hat viel zu tun mit der Gestaltung dieser sensibel positionierten Zwischenräume. Mit der Annäherung an eine Nullebene, auf der sich Wirklichkeit und Abbild berühren und kreuzen. Die Wahrnehmung des Betrachters fängt sich an diesen Grenzlinien, denen sich Gary Hill bereits seit Beginn seiner Arbeit mit Video auf sehr unterschiedliche Art und Weise annähert.

"Gary Hill. Strange Trajectories" zeigt verschiedene Positionen dieser Entwicklungslinie durch das Werk Gary Hills. Bei aller intensiv körperlichen Wirkung seiner Arbeiten bleibt die Wirklichkeit für Gary Hill ein nie endendes Rätsel, in dem er sich selbst und den Betrachter positioniert.


Gary Hill. Strange Trajectories
16. September bis 28. Oktober 2007

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Gary Hill: Frustrum, 2006. Projektion; Courtesy: imai, Düsseldorf
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Gary Hill: Frustrum, 2006. Gesamtansicht; Courtesy: imai, Düsseldorf
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Gary Hill: Frustrum, 2006. Gold; Courtesy: imai, Düsseldorf
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Gary Hill: Guilt, 2006; Courtesy: imai, Düsseldorf