2. September 2019 - 6:47 / Ausstellung / Fotografie 
11. September 2019 16. Februar 2020

Die Stadt ist eines der wohl schillerndsten Sujets in der Geschichte der Fotografie: Das Kunst Haus Wien präsenteirt mit der Ausstellung Street. Life. Photography Ikonen der Street Photography aus sieben Jahrzehnten. Von Merry Alpern, Diane Arbus, Robert Frank bis zu Lee Friedlander oder Martin Parr - mit mehr als 35 fotografischen Positionen und über 200 Werken setzt sich die Ausstellung ömit den Umbrüchen und ästhetischen Entwicklungen der Street Photography von den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart auseinander.

Street Life, Crashes, Public Transfer, Anonymity und Alienation - In fünf kaleidoskopartig angelegten Kapiteln behandelt die Ausstellung die zentralen Themenfelder der Street Photography und zieht die BesucherInnen in unterschiedlichste, teils surreal erscheinende Bildwelten. Die analoge tritt gegen die digitale Fotografie, die Kleinbildkamera neben die Großbildkamera, Schwarz-Weiß-Fotografie trifft auf Farbfotografie und vertraute Ikonen der Fotografiegeschichte.

Internationale Klassiker der Street Photography werden mit jungen, zeitgenössischen Positionen wie Mohamed Bourouissa, Harri Pälviranta oder österreichischen KünstlerInnen wie Alex Dietrich und Lies Maculan in Verbindung gebracht - und eröffnen einen neuen Blick auf die unterschiedlichen Räume der Stadt, die die Beobachtung der urbanen Umgebung früher und heute bietet. Street. Life. Photography beleutet die anhaltende Faszination, die dieses Thema auf die Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts ausgeübt und dabei ein eigenes Genre hervorgebracht hat.

Themengruppen in der Ausstellung

Street Life
Die Gruppe Street Life präsentiert neben spontan erfassten oder situativ eingebundenen Momenten von William Klein, Joel Meyerowitz, Candida Höfer, Bruce Gilden, Maciej Dakowicz, Siegfried Hansen, aber auch Melanie Einzig, Lisette Model, Diane Arbus, Philip-Lorca diCorcia und Dougie Wallace, sorgfältig überstaltete Arbeiten von Peter Funch, in denen Grenzen zwischen inszenierter fotografischer Realität und purer Fiktion miteinander verschwimmen. Exemplarisch für die Street Photography in Wien geben die österreichise Fotografin Lies Maculan und die Fotografen Alexander Dietrich und Erich Lessing Einblick in ihr Schaffen.

Crashes
Störungen im reibungslosen Ablauf urbanen Gefüges berücksichtigt die Gruppe Crashes. Nimmt Polizeifotograf Arnold Odermatt Verkehrsunfälle auf, spielt Mirko Martin mit Zusammenstößen, die er an Filmsets in Los Angeles fotografiert und mit realen Situationen in der Serie L.A. Crash geschickt verfließen lässt. Bandagierte Verunfallte bevölkern in Jesse Marlows Arbeiten das Straßenbild von Melbourne. Bedrohliche, mit Akteuren inszenierte emotionale Crashes in der Pariser Banlieue stehen im Mittelpunkt der Fotografien von Mohamed Bourouissa, währen Andrew Savulich durch Kombination seiner Fotografien, die abgebildete Gewalt in emotionaler Wechselwirkung verdichtet. Während Axel Schön Zerstörung durch einen Hausbrand festhält, beschöftigen sich Harri Pälviranta und Andreas Herzau etwas zurückhaltender mit der Thematik, was auf den Betrachter zunächst nachhaltig irritierend wirkt.

Public Transfer
In Public Transfer beobachtet Andrew Buurman Reaktionen von Reisenden auf Informationstafeln in Bahnhöfen, während Dougie Wallace seine schonungslosen Porträts von Fahrgästen im Bus durch spiegelnde Fensterscheiben um surreale Ebenen erweitert. Wolfgang Tillmans thematisiert die mit der Ruschhour in der Londoner U-Bahn zwangsläufig einhergehende physische Nähe, Michael Wolf beobachtet deren dramatische Steigerung in der Metro in Tokyo. Rudi Meisel dagegen widmet sich dem entspannten Treiben auf deutschen Autobahnrastplätzen. Auch Loredana Nemes und Nata Dvir beschäftigen sich in ihren Werken mit der Welt des Transports.

Alienation
Alienation - Verfremdung - vereinigt fotografisch inszenierte Situationen, die sich durch formale und inhaltliche Verfremdung auszeichnen. Angesiedelt zwischen öffentlicher und privater Sphäre, gehören dazu die von Lee Friedlander komponierten Selbstinszenierungen mittels seines Schattens im Bildraum. Doug Rickard bedient sich vom Schreibtisch aus den öffentlich zugänglichen Bildern von Google Street View für Fotografien an Orten, die sich für tatsächliche Erkundung als zu gefährlich erweisen. Arbeiten wie die von Robert Frank, Martin Parr, Philip-Lorca die Corcia, Rudi Meisel konzentrieren und verdichten sich auf subjektive Empfindungen bei der Betrachtung öffentlichen Lebens. Bei den wie Gruppenaufnahmen arrangierten Arbeiten von Melanie Manchot steht das verfremdende Moment frontaler Präsentation der Portraitierten an öffentliche Plätzen Moskaus im Vordergrund. Die fotografischen Inszenierungen selbstgeschaffener Skulpturen von Slinkachu eröffnen einen Mikrokosmos, den ebenso Natan Dvir im Verhältnis zwischen Mensch und übergroßen Werbe-Repräsentationen im Bau befindlicher Konsumtempel fasziniert.

Anonymity
Tauchen bei Yasmie Chatila sehr private Momente in ihren nächtlich beobachteten Fenstern privater Wohnungen in New York auf, riskiert auch Merry Alpern einen bewusst indiskreten Blick durch die Fenster eines Gebäudes in der Wall Street in New York. Ebenso beschäftigen sich Leon Levinstein, Lee Friedlander und Harry Callahan sowie Stephen Shore mit der Anonymität der Großstadt, gemeinsam sind sie Bestandteil des Ausstellungskapitels Anonymity.

Street. Life. Photography
Street Photography aus sieben Jahrzehnten
11. September bis 16. Februar 2020

Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstraße 13
A - 1030 Wien

T: 0043 (0)1 71204-91
F: 0043 (0)1 71204-96
E: information@kunsthauswien.com
W: http://www.kunsthauswien.com/

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