2. Februar 2019 - 4:24 / Aktuell 
1. Februar 2019 1. Februar 2019

Von Felix Van Groeningen
Mit Steve Carell, Timothée Chalamet, Maura Tierney, Christian Convery
USA, 2018

Das aufrüttelnde Drogendrama zeigt einen engagiert aufspielenden Steve Carrell als Vater, der alles tut, um seinen Sohn zu retten. Verfilmung der Bestseller von David und Nic Sheff.

Zu Beginn ist David ein engagierter Vater, der sich vom Arzt über Drogensucht aufklären lässt. Sein Sohn Nic – früher ein aufgeweckter, liebenswerter Junge – hat sich durch Drogenkonsum drastisch verändert. Aber mit Liebe und Verständnis, so denkt David, sollte sich das Problem lösen lassen. Doch David liegt komplett falsch, wie er bald erkennen muss. Nic entfernt sich mehr und mehr von seiner früheren Welt und sackt immer tiefer in die Suchtfalle. Weder Entziehungskuren noch Therapien zeigen eine dauerhafte Wirkung, auch wenn es zwischendurch für kurze Zeit positive Entwicklungen gibt. Jede Hoffnung wird immer wieder enttäuscht. Dennoch lässt David nicht locker und versucht seinem Sohn zu helfen, auch wenn er weiß, dass er ihm letztlich damit schadet. Doch David will sich nicht damit abfinden, dass Rückfälle normale Begleitumstände auf dem Weg zur Genesung sind. Er versucht damit zurechtzukommen, dass sein Sohn, den er liebt, nicht mehr existiert. Stattdessen ist da ein Fremder, der ihn belügt, betrügt und bestiehlt. Irgendwann muss sogar David einsehen, dass er Nic loslassen muss, um ihm, sich selbst und seiner Familie noch eine Chance zu geben.

Mit BEAUTIFUL BOY legt der belgische Filmemacher Felix Van Groeningen (THE BROKEN CIRCLE) sein englischsprachiges Debüt vor. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit dem Australier Luke Davies, der sich bereits in seinem Roman Candy und bei der (Mit-)Arbeit am Skript zur Leinwand-Adaption mit dem Thema Drogensucht befasste. Hier erzählen die beiden nun auf Basis zweier autobiografischer Werke – David Sheffs "Beautiful Boy" und Nic Sheffs "Tweak" – die Geschichte dieser Vater-Sohn-Beziehung.

Insgesamt ist Van Groeningens Werk kein Film, der an einer audiovisuellen Glorifizierung von Drogensucht interessiert ist. Seine Stärken liegen vor allem in der Dramaturgie und im Schauspiel. Drogensucht – das machten die Buchvorlagen bereits deutlich und das zeigt auch die Adaption sehr eindrücklich – folgt keiner überschaubaren Drei-Akt-Struktur. Wenn hier Sätze wie "Das wird gut!" oder "Heute ist ein guter Tag!" gesagt werden, wenn der Fahrtwind in den Haaren Freiheit verspricht oder beim Herumalbern im Garten ein kollektives Harmoniegefühl aufkommt, ist das nie von Dauer – kein Happy End, nur eine Station kurz vor der nächsten Katastrophe, vor der nächsten Lüge, dem nächsten Streit, dem nächsten nächtlichen Anruf in purer Verzweiflung. Das ist verdammt anstrengend – und äusserst glaubwürdig.

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