15. Oktober 2019 - 5:09 / Bühne / Theater 

Im Rahmen der Theaterallianz gastieren vom 15. bis 27. Oktober 2019 vier freie Theaterhäuser aus Linz, Salzburg, Klagenfurt und Graz im Theater Kosmos, jedes von ausgewiesener Qualität und besonderer Bedeutung in seinem Bundesland. Aufgeführt werden in diesem Zeitraum vier außergewöhnliche Produktionen von namhaften österreichischen AutorInnen.

Gegründet wurde die Theaterallianz im Jahr 2013. Mitglieder sind neben dem Theater Kosmos das Schauspielhaus Wien, das Grazer Theater am Lend, das klagenfurterensemble, das Theater Phönix Linz und das Schauspielhaus Salzburg.

Durch die Theaterallianz entsteht eine bundesweite Plattform für das zeitgenössische Theater in Österreich. Im Zentrum der gemeinsamen Aktivitäten steht der Austausch von ausgewählten Inszenierungen zeitgenössischer Dramatik.

Theater Phönix Linz - Di 15. und Mi 16. Oktober 2019 | 20 Uhr
Else (ohne Fräulein) von Thomas Arzt nach Arthur Schnitzler

Else, 15 Jahre, ist alleine auf Urlaub. „Der Abstand tut dir gut“, meint die Mutter – wegen der „Sache“. Was das für eine Sache ist, weiß Else sehr genau: Der Vater hat Geld verspekuliert und steht vor Gericht. Was, wenn er ins Gefängnis muss? Das Leben der Teenagerin wird plötzlich auf den Kopf gestellt. Warum sagt ihr keiner die Wahrheit? Sie ist doch kein Kind mehr! Zwischen Strandcafé und Hotelpool verstrickt sie sich in ihren Sorgen und ihrer Wut – und in einer verhängnisvollen Bekanntschaft: Ein älterer Herr lädt sie auf einen Drink ein. Ist es Neugierde? Oder Dummheit? Jedenfalls findet sie Gefallen an dem kleinen Sommerflirt. Denn sie glaubt in dem fremden Mann den Richter zu erkennen, der ihren Vater freisprechen könnte. Wie weit muss sie gehen, damit er tut, was sie von ihm will?

„Else (ohne Fräulein)“ ist angelehnt an Arthur Schnitzlers inneren Monolog „Fräulein Else“. In dem Klassiker von 1924 kämpft eine junge Frau gegen die verlogenen Moralvorstellungen einer männerdominierten Gesellschaft. Dramatiker Thomas Arzt verortet Else nun in der Gegenwart und erzählt in einem mehrstimmigen Gedankenstrom von jugendlicher Intimität, Machtmissbrauch, sexueller Gewalt und den Grauzonen dazwischen.

Schauspielhaus Salzburg - SA 19. und SO 20. Oktober 2019 | 20 Uhr
Jedermann (stirbt) von Ferdinand Schmalz

„Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ hat in Salzburg seit 1920 Tradition. Nun hat der mehrfach preisgekrönte Autor Ferdinand Schmalz den Text für das 21. Jahrhundert über-, fort- und neugeschrieben. Schmalz befreit den Text von altertümlichen Klischees, schraubt lustvoll an Sprache und Versmaß und hebt den Text auf eine neue literarische Höhe.

Sein Jedermann ist ein reicher Geschäftsmann, der keine Skrupel kennt und der Nächstenliebe mit Steuervergünstigung gleich setzt. „Der gute Wille zählt fürs Werk“ – so klingen die Floskeln, mit denen der heutige Jedermann seine Verfehlungen zu rechtfertigen sucht. Sein Garten, Zeichen des bürgerlichen Reichtums, ist ein Ort für ausschweifende Feste und zugleich umzäunte Festung, die keine Fremden und keine Armut einlassen soll. Auch der heutige Jedermann findet, als es zu Ende geht, keine wahren Freunde, selbst seine Frau geht den letzten Schritt nicht mit ihm. Er geht allein den letzten Gang, während die Gesellschaft weiter feiert. „Von wegen: der Tod macht alle gleich – der Tod ist eine Mauer, die immer höher wird, jedermann ist niemand, niemand anderes als wir!“

Ferdinand Schmalz ist derzeit der erfolgreichste Nachwuchsdramatiker Österreichs. Seine intelligente und sprachmächtige Neuschreibung wurde 2017 am Burgtheater uraufgeführt und von Presse und Publikum hoch gelobt. 2018 erhielt er dafür den Nestroy-Autorenpreis „Bestes Stück“.

Klagenfurter Ensemble - MI 23. und DO 24. Oktober 2019 | 20 Uhr
Owe den Boch von Antonio Fian

Nach der erfolgreichen Inszenierung von „Stille im Dramolettenwald“ durch Peter Wagner im Mai 2014 am klagenfurter ensemble dachte Antonio Fian zwei seiner Dramolett-Protagonisten weiter. Mit owe den boch ist dem in Kärnten aufgewachsenen Autor ein Psychogramm zweier „verlassener Kinder“ gelungen, das sowohl dumpf als auch zart ist und mit seiner verknappten Sprache die Sprachlosigkeit seiner Charaktere offenlegt. Zugleich ist owe den boch ein Requiem auf ein Land und seine Leute, das von einer scheinbar typischen Kärntner Melancholie erzählt, die in Wahrheit nichts anderes als ein permanentes Lavieren am Rande ist, ein „Kärntner-Borderline-Syndrom“ quasi.

Der Handlungszeitraum erstreckt sich über zwölf Jahre, von 2004 bis 2016: Die beiden Protagonisten beginnen die Geschichte als Teenager und beschließen diese als Übriggebliebene, Vergessene, ernüchterte Stellvertreter einer untergewichtigen Mehrheit. Als Kärntner Rosenkranz und Güldenstern spielen sie gewissermaßen „Warten auf Godot“ am Wörthersee, werden zu plastischen und seelenvollen Charakteren in einer lyrischen Coming of Age-Geschichte und reflektieren unbewusst und auf patschert-komische Art die manische Kärntner Großmannssucht und den darauf folgenden depressiven Katzenjammer.

Antonio Fian erhebt sich dabei nie über seine Protagonisten, haucht ihnen durch seine genaue, schonungslose und gerade deshalb liebevolle Beobachtung eine geradezu beklemmende Lebendig- und Leibhaftigkeit ein. Stets scheinen sie Ahnung von der Ungerechtigkeit zu haben, in der sie leben, vom Grund ihres Übels, scheitern aber an einer Benennung, die notwendig wäre, um sich aus ihrer Misere und von den ewigen Verführern zu befreien. Bei all den Versprechungen und Verlockungen bleiben sie am Ende des Tages doch wieder nur – Valosn!

Theater am Lend Graz - SA 26. und SO 27. Oktober 2019 | 20 Uhr
Der Sprecher und Die Souffleuse von Miroslava Svolikova. | Gewinnerstück des AutorInnenpreises der österreichischen Theaterallianz 2018

Das Stück soll beginnen aber beginnt nicht, stattdessen taucht der Sprecher auf, der das Publikum hinhalten soll, die Souffleuse, der nie jemand zuhört, spinnt Monologe, der Bote hängt immer am Telefon und streitet mit dem Regisseur. Irgendwo hat sich König Lear verlaufen, wer bin ich, schreit er, wer liebt mich, fragt er, und bin ich schon tot? Da ist die Bühne, da fällt der Strom aus, am Ende kommt auch noch der Elektriker vorbei, alles kommt leicht daher in dieser Komödie über das Sprechen und Sein, über das alte und neue, wo die SchauspielerInnen im Stau stecken, wo jemand eine Unterschrift braucht, um seine Existenz zu bestätigen, wo immer irgendwo ein Sturm tobt. In Wahrheit geht es hier um das Publikum, aber das Publikum weiß es noch nicht. Wer spricht, und über wen wird gesprochen, warum sind wir alle hergekommen, und was ist meine Rolle? Vielleicht hat am Ende das Stück begonnen, die SchauspielerInnen wären dann da, oder wer, bitteschön, sind Sie?

Theaterallianz-Schwerpunkt in Bregenz
15. bis 27. Oktober 2019

Theater Kosmos Bregenz
Mariahilfstrasse 29
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 44034
F: 0043 (0)5574 44034-1
E: office@theaterkosmos.at
W: http://www.theaterkosmos.at/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  15. Oktober 2019 27. Oktober 2019 /
Else (c) Foto: Helmut Walter
Else (c) Foto: Helmut Walter
Jedermann stirbt (c) Foto: Chris Rogl
Jedermann stirbt (c) Foto: Chris Rogl
Owe den Boch (c) Foto: Guenter Jagoutz
Owe den Boch (c) Foto: Guenter Jagoutz
Der Sprecher und Die Souffleuse (c) Foto: Nikola Milatovic
Der Sprecher und Die Souffleuse (c) Foto: Nikola Milatovic