2. Juli 2020 - 4:28 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
3. Juli 2020 8. November 2020

Verena Denglers Werk ist anspielungsreich, pointiert und mitunter provokativ. Die aufmerksame Beobachtung der Kunstwelt, ihrer Mechanismen und historisch gewachsenen Bedingungen sowie die eigenen Verflechtungen darin sind häufig Thema ihrer Installationen, Objekte, Bilder, Zeichnungen, Texte, Videos (und vieles mehr) und reflektieren sie kritisch, bisweilen humorvoll-satirisch.

Im Hauptraum der Secession lässt die Künstlerin eine "Landschaft" aus einem Teich – der sich auf den Badeteich Hirschstetten am Stadtrand von Wien bezieht – und einer ihn umgebenden, wildwuchernden Brachfläche oder "Gstettn" als Sinnbild für anarchische Gegenkultur entstehen, in der die BesucherInnen auf weitere Werke und Elemente wie eine lebensgroße Bronzefigur, einen Konzertflügel und die Inszenierung eines Kunstmessestandes treffen.

Die Gründungszeit der Secession mit ihren blumenreich dekorierten Verkaufsausstellungen war für die Künstlerin ebenso ein Bezugspunkt bei der Konzeption der Ausstellung, die sie im Dialog mit der Religionshistorikerin Barbara Urbanic entwickelte, wie ihre Auseinandersetzung mit dem „allgegen- wärtigen Erbe der Romantik“ (Urbanic). Ihr zugeschriebene Eigenschaften wie die Betonung der Individualität und des Gefühls, die Suche nach dem Erhabenen und gleichzeitig ihre "dunkle Seite" in Form von Melancholie, Gesellschaftskritik und Kulturpessimismus durchziehen bis heute als mehr oder weniger deutlich sichtbares Substrat subkulturelle Jugendbewegungen und Gegenkulturen, zeitgenössische populäre wie klassische Musik u.v.m.

Die Folgen der Romantik wirken sich auch auf gesellschaftliche und politische Bereiche aus, auf die Gestaltungsmöglichkeiten durch soziale Netzwerke, die Entwicklung von flexiblen Arbeitsverhältnissen – KünstlerInnen bestens vertraut – und auf damit zusammenhängende Phänomene der Selbstoptimierung. In den Arbeiten der Ausstellung zeigt sich das Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen hegemonialen und unterdrückten, aber auch subversiven Kräften, die an herrschenden Verhältnissen rütteln. Als Erweiterung der Ausstellung erscheint eine Künstlerpublikation im Magazinformat, mit Textbeiträgen von Barbara Urbanic, Diedrich Diederichsen, Anna Gien und Leon Kahane und ausgedehnten Bildstrecken.

Verena Dengler, geboren 1981 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.

Suellen Rocca

Die Installation von Suellen Rocca im Grafischen Kabinett ist die letzte von der Künstlerin noch zu Lebzeiten konzipierte Ausstellung. Ihre Arbeiten zeigen und ihre Ideen posthum umsetzen zu können, ist für die Secession von besonderer Bedeutung. Sie plante, eine Reihe neuer Gemälde und Zeichnungen in Verbindung mit Gemälden aus jüngerer Zeit – "Departure" (2012), "At Sunset" (2013) und "Night" (2014) – in einem installativen Setting mit einem simplen Bett und Paravent zu zeigen. Neben dem Konzept für ihre Ausstellung hat Rocca auch an einem Künstlerbuch mit weiteren Zeichnungen und Skizzen gearbeitet, die die Secession ihrem Entwurf entsprechend im Format eines Leporellos herausgibt.

Suellen Rocca begann ihre langjährige künstlerische Tätigkeit in den 1960er-Jahren als Mitglied der Chicagoer Künstlergruppe Hairy Who, die auch als Chicago Imagists bekannt sind. Ihr Werk ist durch eine eigenständige, persönliche Bildsprache gekennzeichnet, an deren Erweiterung die Künstlerin beständig arbeitete. Sie spiegelt Lebensthemen wider und wandelte sich mit Brüchen und Veränderungen im Privaten. Text und repetitive Bildzeichen, die von vielfältigen visuellen Einflüssen zeugen – von ägyptischen Hieroglyphen über den Surrealismus bis hin zu Comics – sind vielfach einem (unsichtbaren) Raster folgend auf der Bildfläche organisiert.

Im letzten Jahrzehnt setzte sich Rocca zunehmend mit ihrem Innenleben auseinander. In dieser Phase der Introspektion zeigte die Künstlerin ein großes Interesse am Unbewussten und inkludierte Bilder aus Träumen in ihre Arbeiten. Symbole wie Boote, Seile, Leitern, Fische und Wolken kommen immer wieder vor und repräsentieren verschiedene Seinszustände, während Bildzeichen von Standardmöbel wie Bett, Tisch und Sessel auf das häusliche Leben, das innere Leben anspielen.

Suellen Rocca wurde 1943 in Chicago geboren und starb im März 2020. Neben ihrer künstlerischen Praxis war sie Director of Exhibitions und Kuratorin der Elmhurst College Art Collection in Elmhurst, Illinois.

Verena Dengler
Die Galeristin und der schöne AntikapitalistSuellen Rocca auf der Gothic G’stettn (Corona Srezessionsession Dengvid-20 :-) )
3. Juli bis 6. September 2020
Hauptraum

Suellen Rocca
3. Juli bis 8. November 2020
Grafisches Kabinett

Wiener Secession
Friedrichstraße 12
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 5875307-10
W: http://www.secession.at/

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  •  3. Juli 2020 8. November 2020 /
v. l. n. r.: Boris Kap, Verena Dengler, Barbara Urbanic, Apollonia T. Bitzan; Foto: © Apollonia T. Bitzan; Grafik: Katarina Schildgen
v. l. n. r.: Boris Kap, Verena Dengler, Barbara Urbanic, Apollonia T. Bitzan; Foto: © Apollonia T. Bitzan; Grafik: Katarina Schildgen
Suellen Rocca, Untitled, 2020 © The Estate of Suellen Rocca, Courtesy Matthew Marks Gallery
Suellen Rocca, Untitled, 2020 © The Estate of Suellen Rocca, Courtesy Matthew Marks Gallery