27. November 2007 - 3:26 / Walter Gasperi / Filmriss
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In seinem ersten Film seit sieben Jahren kritisiert Robert Redford die Bush-Administration, feiert aber gleichzeitig Amerika. Der Appell des Films ist eindeutig und unüberhörbar: Mischt euch in die gesellschaftspolitischen Prozesse ein und werdet nicht zu Handlangern der Politiker.

Robert Redford verschränkt drei gleichzeitige Handlungsstränge, deren Erzählzeit sich über kaum mehr als eine Stunde erstreckt: Während in Washington ein junger Senator (Tom Cruise) eine erfahrene Journalistin (Meryl Streep) in einem Interview für seine Propaganda missbrauchen möchte, versucht ein Uni-Professor (Robert Redford) in Kalifornien einen hochbegabten Studenten zu politischem Engagement zu bewegen. Leben diese beiden Erzählstränge ganz vom Dialog, von Großaufnahmen und Schuss-Gegenschussverfahren in Büroräumen, bestimmt Action die dritte Episode, in der zwei junge GIs im verschneiten afghanischen Hochland unter Feindbeschuss geraten.

Persönliche Biographien der Protagonisten werden nur soweit heraus gearbeitet, so weit es für die gesellschaftspolitische Intention des Films von Belang ist. Jedes Privatleben bleibt ausgespart, als Funktionsträger sind die Figuren angelegt. Ein enges Korsett ist den Schauspielern dadurch angelegt, viel Raum zu agieren bleibt ihnen kaum und dennoch gelingt es Robert Redford seinem Professor und Meryl Streep ihrer Journalistin ambivalente Züge zu verleihen, indem sie immer wieder die persönliche Geschichte und Karriere ihrer Filmfiguren ins Spiel bringen. Überragend ist aber Tom Cruise, der es brillant versteht den Senator als gewieften Propagandisten zu spielen und dennoch nicht gänzlich unsympathisch erscheinen zu lassen – ein echter Siegertyp, wie er in der Politik auf der ganzen Welt zu finden ist.

Aber nicht dieser aufstrebende Senator ist hier der Löwe, sondern der Afroamerikaner und der Latino, die für ihr Heimatland, obwohl es ihnen während der Jugend und des Studiums nichts gegeben hat, ihr Leben opfern. Wie einst vor fast 40 Jahren Robert Redford und Paul Newman im Western "Butch Cassidy und Sundance Kid" in aussichtsloser Lage gegen das Gewehrfeuer ihrer Verfolger anrannten, so erheben sich auch hier die GIs am Schluss um stehend zu sterben und nicht lebend in die Hände der Feinde zu fallen. – Eine pathetische Todesszene und eine Verbeugung vor den amerikanischen Soldaten. Die Lämmer sind dagegen die Politiker, die vom Schreibtisch aus den Krieg leiten und Menschen in den Tod schicken.

Ganz aus der Tagespolitik heraus ist "Von Löwen und Lämmern" entwickelt. Vor dem Hintergrund des Irakkriegs und der Anti-Busch-Stimmung appelliert Redford an die Verantwortung der Medien, die sich von den Politikern einspannen lassen, und plädiert an die saturierte Jugend sich nicht gedankenlos Fun und Konsum hinzugeben, sondern sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Denn letztlich entscheidet laut Redford immer noch das Volk und hier vor allem die noch nicht im Denken und Handeln festgefahrene junge Generation darüber, was aus dem Land wird und was die Politiker daraus machen können. Wie sich seine Figuren entscheiden, lässt er offen und spielt so den Ball dem Zuschauer zu, der darüber nachdenken muss und so auch für sich selbst eine Entscheidung fällen sollte.

Sehr zurückhaltend ist das inszeniert. Auf alle Schnörkel verzichtet Redford, vertraut ganz auf seine Botschaft und die Dialoge, die Zusammenhänge sichtbar machen. Nicht nur Parallelen zum Vietnamkrieg und zur Protestbewegung der späten 1960er Jahre werden gezogen, sondern auch die gesellschaftliche Lage innerhalb der USA mit der Benachteiligung der Afroamerikaner und Latinos wird angerissen.

Ganz einfach ist das gemacht, doch packend wird dieser Film trotz seines unübersehbar didaktischen Gestus durch die geschickte Verzahnung der drei Erzählstränge. Die inhaltlich dürftige Afghanistan-Episode dient als Scharnier und hält die drei Stränge zusammen. Aufregend ist dabei, wie sich Querverbindungen zwischen den einzelnen Episoden einstellen und so ein Netz entsteht, bei dem das Gesamte mehr als die Addition der Einzelteile ist.

Spürbar ist dabei auch immer die Leidenschaft, mit der Redford völlig hinter diesem Film steht, und die Überzeugung, aus der er ihn gemacht hat. Nicht um die filmische Form, sondern einzig um die Botschaft geht es ihm hier. Ein filmisch geradezu karges Kammerspiel ist so entstanden, mit dem sich der 71jährige als kritischer, aber nichts desto trotz patriotischer Amerikaner erweist. - Und weil es um Engagement und Einmischung geht, gibt es unter dem Namen Wofür stehst du ein auch eine Kampagnen-Site zum Film.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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