9. Dezember 2020 - 16:49 / Ausstellung / Kunst 

Unter dem Titel "Auf Einladung" start der Dornbirner Raum für Kunst "Quadrart" eine neue Ausstellungsreihe. Geblieben ist dabei das Fremdkuratorenprinzip, wie dies schon bei der vorgehenden Serie "Ansichten" geprobt wurde. Neu ist, dass es sich bei den eingeladenen KuratorInnen durchwegs um Vorarlberger Kunstschaffende handelt, die eigene Werke zeigen und diese in einen Diaolog zu den Arbeiten von zwei bis sechs dazugeladenen KünstlerkollegInnen stellen.

Kurator von "Auf Einladung_#o1" ist der in Bregenz lebende Lichtkünstler Herman Präg. Er überschreibt die von ihm verantwortete Gruppenschau mit "Der Blick nach aussen“. Denn, so Präg zur Begründung seiner Themenvorgabe: "Eine globalisierte und fragmentierte Gesellschaft neigt zu selbstreferentiellen Systemen. Diese genügen sich quasi selbst, besitzen keine Fremdreferenz und deshalb keine Kontrolle von außen. Effizienzorientierte Wirtschaftssysteme funktionieren ohne Rücksicht auf ökologischen Folgen, Staaten kündigen ihre multilateralen Beziehungen, immer neue Identitäten grenzen sich voneinander ab. Auch die Kunst bleibt häufig in einer Metaebene gefangen, indem sie diese selbst thematisiert. Viele Kunstwerke verweisen nur noch auf sich."

Der nun im Quadrart beschworene "Blick nach aussen" soll diese Selbstreferenz überwinden. In vielen Diskussionsrunden hätten die involvierten KünstlerInnen, ausser Präg selber sind dies noch Lisa Althaus, Christian Geismayr, Christine Katscher und Uta Belina Waeger, die Dringlichkeit einer solchen Korrektur im Denken erkannt. Präg: "Die Frage, wie man dem Mitmenschen und der Außenwelt begegnen kann, stand im Raum. In diesem Brückenschlag ist auch der Zwischenraum von wesentlicher Bedeutung. Ein Patentrezept konnte angesichts der Komplexität des Themas naturgemäß nicht gefunden werden." Man sei aber gemeinsam zur Überzeugung gekommen, dass die Herangehensweise an das Thema sowohl bildhaft als auch sprachlich erfolgen müsse.

Von der Filztorte bis zur Masken-Matrix

Die "Kunstvorarlberg"-Mitgründerin Lisa Althaus zum Beispiel befaßt sich in ihrem Beitrag mit "Ambiguitätstoleranz". Denn es werde heute von den Menschen immer mehr die Fähigkeit abverlangt, mit Mehrdeutigkeiten und Unklarheiten umzugehen, sagt Althaus. Ihre "Filztorten" stammen aus einer Arbeit, die als Paraphrase auf "Cake Counter" enstanden ist, - einem Werk des US-amerikanischen Popart-Künstlers Wayne Thiebauds. Althaus: "Das zweidimensionale Bild wurde von mir in dreidimensionale Objekte übersetzt. Beim Fotografieren kehrt es wieder in die Zweidimensionalität zurück. Steht man direkt davor, wirkt das Objekt völlig absurd, auch aufgrund seines Materials. Interessanterweise schnappen aber trotzdem unsere erlerntenWahrnehmungskonventionen zu." Das Prinzip ähnelt dem eines Kippbildes.

Für den 1967 in Dornbirn geborenen Maler und Grafiker Christian Geismayr dient die Maske als Schnittstelle zwischen Innen und Außen. Der Träger einer Maske kann sich in eine dargestellte Figur verwandeln oder mit ihrer Hilfe neue oder übernommene soziale Rollen einüben. Die Maske hat gleichzeitig eine schützende wie auch eine verbergende Funktion. Für Geismayr löst oder dämpft sie auch die Spannung von äußeren Erwartungen und eigenen Möglichkeiten. Er weist zudem auf die Gefahr hin, dass sie zu einer bleibenden Fassade mutieren könne, um im Alltag bestehen zu können.

Christine Katscher, Jahrgang 1986, zeigt drei Werkpaare, die je aus einem Bild- und einem Textblatt bestehen und zusammengefaltet in einem Umschlag aus Seidenpapier verpackt sind. Es gehe dabei um eine Reduktion vom Bild zum Wort sowie vom Wort zum Bild, respektive um eine Erweiterung vom Bild zum Wort sowie vom Wort zum Bild, so die Künstlerin, die an der Wiener Akademie Grafik studiert hat. Sie untersucht anhand von Bildern den Interpretationsspielraum in der Wahrnehmung und die produktive Umsetzung in Sprache. "Im Zwischenraum von Innen und Außen - es ist bei ihr der Imaginationsraum – können Fehler, Missverständnisse, aber auch Neuinterpretationen und kreative Problemlösungen entstehen," ist dem Begleittext zur Ausstellung zu entnehmen.

Mit "Hier, dort und dazwischen" (2019) und weiteren Fotoarbeiten (Lamdaprints auf Alu-Dibond) spürt Künstlerkurator Hermann Präg der Gestaltung immaterieller Zwischenräume (in menschlichen Beziehungen) durch Leerräume und Vakua nach. Präg: "Meine Arbeiten sind eine Bewegung vom Hier nach Dort. Das Ziel bleibt unantastbar und vage. Vergessen wir nicht das Dazwischen! Dort spielt sich das Entscheidende unseres Lebens ab."

Die Frage "Bastelst du noch oder bist du schon?" stellt Uta Belina Waeger in den Raum. Ihrer Ansicht nach sind es vor allem KünstlerInnen, die sich dem Prinzip der Einzigartikeit verschreiben. Wie individualistisch, ob radikal oder gemäßigt, diese die Kunst und das Leben zu einem Unikum vereinen, sei selbst bestimmt. "Uta Belina Waeger thematisiert den Ich-Verlust, das Subjekt, das durch gesellschaftliche Zwänge bedroht wird... Durch Kunst versucht sie, einem konstruierten Ich bzw. einer postmodernen Bastelexistenz zu entkommen", heisst es in der Aussendung des Quadrarts zur Ausstellung.

Auf Einladung_#o1: "Der Blick nach Aussen"
Mit Lisa Althaus, Christian Geismayr, Christine Katscher,
Uta Belina Waeger und Hermann Präg
Quadrart Dornbirn
Kurator: Hermann Präg
13.12.-31.1.
Vernissage: 12.12., 16-19
Do, Fr, Sa 17-19; u.n.V.
http://www.quadrart-dornbirn.com



Christine Katscher: Zeichnung auf Stein, Lithographie auf Gampipapier, 2018/19
Christine Katscher: Zeichnung auf Stein, Lithographie auf Gampipapier, 2018/19 (© Katscher)
Lisa Althaus: Torte (Filzobjekt) (© Althaus)
Lisa Althaus: Torte (Filzobjekt) (© Althaus)
Christian Geismayr: Masken-Matrix (© Geismayr)
Christian Geismayr: Masken-Matrix (© Geismayr)
Uta Belina Waeger: Basteln oder sein (© Waeger)
Uta Belina Waeger: Basteln oder sein (© Waeger)