Kurt Bracharz

4. Dezember 2006 - 16:04

Am 29. November sendete Arte eine Dokumentation »Benutzt und gesteuert. Künstler im Netz der CIA«, in der altbekannte Fakten einmal mehr ausgebreitet wurden: In den Nachkriegsjahren finanzierte ein »Kongress für kulturelle Freiheit« mit Hauptsitz in Paris linksintellektuelle Zeitschriften in mehreren Ländern: in Deutschland den »Monat«, in Österreich »FORVM«, in Italien »Tempo presente«, in Frankreich »Preuves«.

Bekannte Autoren dieser Blätter waren Raymond Aron, François Bondy, Manès Sperber, Heinrich Böll und Ignazio Silone. Erst 1966 deckte die »New York Times« auf, was zumindest ein Teil der Autoren längst gewusst hatte: der »Kongress« war eine Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes CIA, die im Kalten Krieg Moskau Linksintellektuelle abspenstig machen sollte.

Am deutlichsten war diese Gegnerschaft in Italien, wo Silones »Tempo Presente« gegen die KP-finanzierten »Novi Argumenti« von Alberto Moravia stand. Dass Silone in den 20er Jahren zwar offiziell Kommunist, gleichzeitig aber Agent der O.V.R.A., der politischen Polizei Mussolinis, gewesen war, wusste man damals allerdings nicht. Am Rande streifte die Arte-Sendung auch die geheime und sehr erfolgreiche Promotion der CIA für den amerikanischen Abstrakten Expressionismus, der als »Kunst des freien Unternehmertums« gepriesen wurde.

Das Bemerkenswerte an der Sendung war der anklägerische Unterton mit Formulierungen wie jenen vom »Netz« oder der »Falle«, in welche die CIA die Autoren gelockt hätte. Raymond Aron würde »bis heute für untadelig gehalten«. War Heinrich Böll ein »Büttel der amerikanischen Politik«? Hätte die CIA seinen Gast Solschenizyn ignorieren sollen? Es wurde so getan, als hätte der »Kongress für kulturelle Freiheit« jemanden gefoltert oder liquidiert (was andere CIA-Abteilungen gewiss getan haben) und nicht nur ein paar Blätter herausgegeben, in denen Schriftsteller gerne und gegen gutes Geld geschrieben haben. Es gibt heute keine deutsche Zeitschrift, die intellektuell an den »Monat« hinkäme.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)