Kurt Bracharz

10. April 2006 - 12:00

Der Londoner Prozess Baigent und Leigh gegen Brown (eigentlich Random House, übrigens der Verlag aller drei Autoren) war auch dann bemerkenswert, wenn es einem gleichgültig war, wie er ausgehen und ob die Verfilmung von »Das Sakrileg« ins Kino oder in die Ablage kommen würde. Der Richter hat am 7. April entschieden, dass Browns Roman »The Da Vinci Code« (2003) kein Plagiat des angeblichen Sachbuches »The Holy Blood and the Holy Grail« (1982) von Baigent, Leigh und Lincoln (der nicht klagte) im Sinne des Copyright Act von 1988 sei.

Anfang der neunziger Jahre erschien die deutsche Version »Der Heilige Gral und seine Erben« des Buches der drei Journalisten, in dem behauptet wurde, Jesus habe Maria Magdalena geheiratet und Kinder gezeugt. Die Autoren sagten, sie mussten für ihre Darstellung »zwischen den Zeilen lesen, Lücken schließen und Erklärungen für gewisse Auslassungen, Einschnitte sowie Anspielungen finden«.

Nun gibt es von der Toledot Jeschu bis zu »Jesus in Indien« jede Menge Spekulationen um den Religionsgründer, von dem man außerhalb der Evangelien nichts weiß, seine angebliche Heirat und Vaterschaft waren da nur eine weitere Facette, die z. B. von jüdischen Gelehrten vertreten wurde (weil ein Rabbiner verheiratet sein muss; aber der historische Jesus war keiner, sondern ein charismatischer Wanderprediger.) Zum Bestsellern von Baigent, Leigh & Lincoln trug mehr bei, dass sie eine vatikanische Verschwörung gegen die Veröffentlichung der Qumran-Rollen mutmaßten.

Eine Verschwörungstheorie brachte aber erst dem Kolportageschriftsteller Dan Brown einen Verkauf von 40 Millionen allein der gebundenen Ausgabe ein, als er in »Das Sakrileg« eben nicht nur Jesus heiraten, sondern auch Opus Dei und die Priorei von Sion gegeneinander antreten ließ. Das ist leichter verständlich und verdaulich als z.B. die realen Finanztransaktionen zwischen Reagan, Woityla und Solidarnosc, die wesentlich interessanter wären als die alten Plattheiten über die angeblichen Hochzeiter Jesus.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)