Kurt Bracharz

11. September 2006 - 16:19

In der Samstagausgabe (9.11.) der »Vorarlberger Nachrichten« standen drei Artikel über verschiedene Themen, die einen inneren Zusammenhang haben. Sie handelten vom 11.9., von Westenthaler und von Gehrer.

Beginnen wir mit Westenthaler: Kann er so dumm sein, den Brief des SPÖ-Gemeinderats Al-Rawi an den Innsbrucker Rechtsanwalt Ermacora über die Aufstellung von Halbmonden statt Gipfelkreuzen für echt zu halten? Doch eher nicht, er hat die Fälschung wohl im Bewusstsein eingesetzt, dass vor den Wahlen darüber kein Gerichtsurteil mehr ergehen kann.

Die so genannte »Bildungs«ministerin Gehrer hat ein positives Vorwort zu einem Astrologiebuch verfasst! Vielleicht sollte sie schnell noch der Teissier einen Lehrstuhl an einer österreichischen Uni anbieten, bevor sie ins Ausgedinge geschickt wird.

Rechte Propaganda, Unbildung und Dummheit sind an sich schon eine explosive Mischung, wenn noch gezielte Desinformation arabischer Geheimdienste, Antisemitismus und Aberglaube dazukommen, erhält man die Verschwörungstheorien um den 11. September 2001. Man staunt aber doch, wenn man solche in den VN auf Seite 2 als erst gemeinten Beitrag findet, garniert mit Sprüchen wie dem, dass das Internet »nicht von den großen Medien-Clans Rothschild und Rockefeller zensuriert werden kann«. Die wichtigsten US-Medien von Fox über Hollywood bis zu den Regionalzeitungen sind jetzt in der Hand von christlichen Fundamentalisten, die bis heute z. B. behaupten, Saddam habe Al-Kaida unterstützt.

Über die krausen Gedankengänge und dubiosen Quellen der deutschen 9/11-Paranoiker wie Bröckers oder von Bülow kann man sich längst informieren, wenn man das will. Was man aber nicht kann, ist auf Seite 2 einer regional dominierenden Tageszeitung deren Theorien zu vertreten, auch nicht unter der Überschrift »Skeptiker sind «Verschwörer»« (die richtig »Verschwörungstheoretiker sind Spinner« heißen müsste) und dem dem syntaktisch falschen Lead »Wollte Bush-Clique nur Feindbild schaffen und die Großfinanz profitieren?«

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)