31. Mai 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Am 30. Oktober 1974 standen sich in Kinshasa, der Hauptstadt Zaires, Muhammed Ali und George Forman im Kampf um die Schwergewichtsweltmeisterschaft im Boxen gegenüber. Leon Gast dokumentiert in seinem oscargekrönten Dokumentarfilm die Vorbereitungen und den Kampf, der auch für die Entwicklung des afrikanischen Selbstbewusstseins eine wichtige Rolle spielte. In der Süddeutsche Zeitung Cinemathek ist in der Reihe "Dokumentarfilm Sport" dieser Klassiker des Sportfilms auf DVD erschienen.

"I am coming home. I live in America, but my home is Africa", sagt Muhammed Ali sinngemäß am Beginn des Films. Hier zeigt sich schon die politische Sprengkraft dieses "Rumble in the Jungle". Hier wollte einer das Selbstbewusstsein der Afrikaner stärken, ein Sieg Alis musste für die Mentalität enorme Bedeutung haben, doch der 32-jährige, der stets eine große Klappe führte, kam als krasser Außenseiter nach Zaire. Man rechnete allgemein mit einer Niederlage und dem anschließenden Rücktritt, mit seinen Sprüchen schien er nur seine eigene Angst vor diesem Kampf zu überspielen.

George Foreman war zwar auch Afroamerikaner, trat aber wortkarg auf, sah sich nicht so sehr als Vertreter der Afroamerikaner und wurde in Zaire aufgrund seines Auftretens mit einem Deutschen Schäferhund als Nachfolger der belgischen Kolonialpolizisten gesehen. Allerdings verfügte er über die weit größere Schlagkraft als Ali und galt nach dem Gewinn des WM-Titels im Kampf gegen Joe Frazier als haushoher Favorit.

Leon Gast hat schon 1974 die Vorbereitungen und den Kampf mit der Kamera festgehalten, konnte aufgrund von Geldmangel aber erst 21 Jahre später den Film fertig stellen. Auf Kommentar verzichtet er, baut auf sein eigenes Material sowie spätere Interviews mit Zeitzeugen wie Spike Lee, Norman Mailer und Sportjournalisten. In einer atemberaubenden Montage lässt Gast die Hektik und Anspannung vor diesem Kampf hautnah nachempfinden und vermittelt einen starken Eindruck von der afrikanischen Aufbruchsstimmung, andererseits wird in der Fülle der Szenen nichts vertieft, sondern alles nur gestreift.

Die Rolle des zairischen Diktators Mobutu wird ebenso kurz angeschnitten wie die des Boxmanagers Don King. Noch nie gab es zuvor ein Sportereignis ähnlicher Größenordnung in Afrika, doch Mobutu kaufte sich einfach den Kampf, indem er beiden Boxern jeweils fünf Millionen Dollar bot. Propaganda für sein Land wollte er damit machen und von der Brutalität der Diktatur ablenken.

Verknüpft wurde der Kampf mit einem Showprogramm, das durch die Teilnahme von ausschließlich afroamerikanischen und afrikanischen Künstlern wie Miriam Makeba, James Brown oder B.B. King zu einem "afrikanischen Woodstock" werden sollte. Alles zielte darauf ab, das Selbstwertgefühl der Afrikaner zu stärken.

Im Kampf dann, der aufgrund einer Verletzung Foremans vom 25. September auf den 30. Oktober verschoben werden musste, schien Ali zunächst ein leichtes Opfer Foremans zu werden, denn er ließ sich in die Seile fallen, beschränkte sich darauf den Schlägen seines Gegners auszuweichen. Bald entpuppte sich das aber als raffinierte Taktik, denn Ali ließ Foreman sich müde schlagen und holte dann zum Gegenangriff aus, mit dem er den Champion in der achten Runde auf die Bretter zwang.

An Sprachversionen bietet diese von der SZCinemathek herausgegebene DVD die englische Fassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, Bonusmaterial gibt es leider keines.

Trailer zu "When We Were Kings"



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