16. August 2010 - 2:23 / Ausstellung / Fotografie 
12. Juni 2010 22. August 2010

Üblicherweise dominieren die Perspektiven von Europa und den USA die Geschichte der Fotografie. Die Ausstellung und die Begleitpublikation "Where Three Dreams Cross – 150 Jahre Fotografie aus Indien, Pakistan und Bangladesch" hingegen erzählen die bedeutende Geschichte der Fotografie Südasiens aus einer inneren Sicht. Es geht nicht darum, die altbekannte westliche Sichtweise auf "den Osten" zu wiederholen, vielmehr sollen die unterschiedlichen Betrachtungsweisen von mehreren Fotografengenerationen des Subkontinents auf ihre Zeit und sich selbst im Vordergrund stehen. Eine Fotografie soll sich zeigen, die vielgestaltig, formal innovativ und doch tief verwurzelt in der einheimischen Kultur und Politik ist.

"Where Three Dreams Cross" greift Bildwelten des 19. Jahrhunderts auf, zeigt in Stadtansichten, Architekturaufnahmen und handkolorierten Porträts das Leben Indiens während der Kolonialzeit. Dann konzentriert sie sich auf die Epoche des Übergangs, als sich die im Norden vom Himalaya und im Süden vom Indischen Ozean eingerahmte südasiatische Halbinsel – ein vom Fluss Indus begrenztes, heterogenes Ganzes, das früher als "riesiger Rhomboid" bezeichnet wurde – in drei Nationen aufspaltete: Indien, Pakistan und Bangladesch. Die rasanten Zeitläufe der politischen Umwälzung oder der technologischen Entwicklung und die langsameren von Familie, Kultur und Ritual werden mit den Kameraaugen von etwa achtzig Fotografen und Fotografinnen eingefangen. Schliesslich präsentiert die Ausstellung die lebendigen Fotoszenen der neusten Zeit in Pakistan, Bangladesch und Indien. Die Werke zeugen von formaler Experimentierlust, ästhetischer Neugierde und gesellschaftlichem Bewusstsein.

Die Ausstellung setzt bei der Präsentation der Werke konkret fünf Schwerpunkte: Porträt, Performance, Familie, Öffentlicher Raum und Staatskörper. So fasst sie sowohl das Intime wie das Theatralische der Menschen, das Hierarchische der Gesellschaftsstruktur wie das Chaos, der Wirrwarr an Farben, Menschen, Verkehr und Kinobildern auf dem südasiatischen Kontinent. "Where Three Dreams Cross – 150 Jahre Fotografie aus Indien, Pakistan und Bangladesch" wurde organisiert von der Whitechapel Gallery in London in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur. Kuratoren sind Sunil Gupta, Radhika Singh, Hammad Nasar, Shahidul Alam, Kirsty Ogg (Whitechapel Gallery) und Urs Stahel (Fotomuseum Winterthur).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Where Three Dreams Cross – 150 Years of Photography from India, Pakistan and Bangladesh / 150 Jahre Fotografie aus Indien, Pakistan und Bangladesch. Verlegt von Steidl / Fotomuseum Winterthur / Whitechapel Gallery, London. 376 Seiten, Hardcover, mit Texten (engl./dt.) von Sunil Gupta/Radhika Singh, Hammad Nasar, Shahidul Alam, Christopher Pinney, Sabeena Gadihoke, Geeta Kapur und rund 220 Abbildungen von 80 Fotografen und Fotografinnen. Preis: ca. CHF 69.-

Where Three Dreams Cross
150 Jahre Fotografie aus Indien, Pakistan und Bangladesch
12. Juni bis 22. August 2010

Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44 + 45
CH - 8400 Winterthur

T: 0041 (0)52 234 10 34
F: 0041 (0)52 233 60 97
E: fotomuseum@fotomuseum.ch
W: http://www.fotomuseum.ch/

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Unbekannter Fotograf und Künstler; Hochzeitsporträt eines indischen Paares, ca. 1950. Silbergelatineabzug, handkoloriert, 20.3 x 15.3 cm. Courtesy der Alkazi Collection of Photography, New-Delhi
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Dayanita Singh; Traumvilla 40, 2008. C-Print, 50 x 50 cm. Courtesy der Künstlerin und Frith Street Gallery, London; © Dayanita Singh
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Raghubir Singh; Spiegelstand am Strassenrand, Howrah, West Bengal, 1991. C-Print, 100 x 140 cm. © Succession Raghubir Singh
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Raghu Rai; Arbeiter in einer Jutefabrik in Titagarh, Kalkutta. Projektion mit 28 Bildern, Nr. 16. Courtesy des Künstlers; © Raghu Rai