19. April 2008 - 2:34 / Ausstellung / Archiv 
2. April 2008 24. April 2008

Satte, mit Moos und Farnkraut bewachsene Waldböden im Sommer, braunes verfallenes Blattwerk umgeben von kahlem Gestrüpp im Winter: Jedes einzelne Detail in den Fotos von Margit Santer scheint real zu sein. Doch offenbart die Künstlerin keine – auf den ersten Blick – eindeutig definierbare Orte, sondern vielmehr Ausschnitte von Naturprägungen, die unendlich viele Interpretationsvariablen zulassen. Santner selbst und ihr persönlicher Bezug zum abgelichteten Ort spielen hierbei kaum eine Rolle. Die BetrachterInnen werden zu Akteuren des Schauraums.

Durch den reinen Anblick der Fotografien werden Imaginationen im Kopf ausgelöst, welche intime Szenarien ohne Drehbuch in den Köpfen abspielen und es somit vermögen, Gesehenes für einen winzigen Augenblick in die visuelle Gegenwart zurück zu holen. Die Koexistenz unterschiedlichster Arten lassen den Wald zum erweiterten Möglichkeitsraum werden. Dabei geht es der Fotografin keineswegs darum, einen idealisierten Blick auf das Motiv sichtbar zu machen, wie etwa klassische und traditionelle Assoziationen aus Bildender Kunst und Literatur.

Der Wald als Sinnbild für intakte Naturdarstellungen und nicht zuletzt als stilisierter Mythos mutiert vielmehr zum Paradoxon einer natürlichen Harmonie von unkontrolliertem Wildwuchs. Was allgemein in unserer Perfektionsgesellschaft als chaotisch oder undurchdringbar gilt und keineswegs der üblichen Postkartenidylle von Landschaftsansichten entspricht, wird bei Margit Santer zum nüchternen Blick auf Zwischenräume und deren simple, natürlich gewachsene Schönheit.

Einerseits ist das Schweifen lassen des Blickes in die undefinierbare Tiefe des Bildraumes möglich, andererseits das präzise Fokussieren eines winzigen Details erforderlich. Das ineinander Fließen und sich Vernetzen von Makro- und Mikrokosmos machen eine eigenständige Raumempfindung, die zwischen zwei Wahrnehmungsebenen balanciert, notwendig. Die Fotografin stellt dennoch jedem frei, ob die kleine überschaubare Lebenswelt reicht, oder ob man doch lieber über die alltägliche Realität hinausblickt und den auferlegten Grenzen der Gewohnheit für einen Moment zu entfliehen versucht.


Wildwuchs
2. bis 24. April 2008

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