2. August 2020 - 10:05 / Literatur / Film 

Selten hat ein Schweizer Schriftsteller die Filmemacher weltweit so stark inspiriert wie Friedrich Dürrenmatt (1921-1990). Seine Werke wurden von Regie-Grössen wie etwa Ettore Scola, Maximilian Schell, Bernhard Wicki oder Sean Penn adaptiert. Im Jänner 2021 wäre der grosse Autor 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigt das 16. Zurich Film Festival eine Auswahl der besten Dürrenmatt-Verfilmungen.

"Dürrenmatt war ein cineastischer Literat, der alleine in Szenenbeschrieb und Figurenkonstellation eine grosse Intensität erzeugte. Viele der Buch-Adaptionen begeistern, weil sie quasi schon auf einem bestechenden Szenarium basierten", erklärt ZFF Artistic Director Christian Jungen. "Deshalb lancieren wir die Dürrenmatt Jubiläums-Feierlichkeiten mit einer Matinée-Reihe im Filmpodium."

Unter den Werken der "Dürrenmattinée" finden sich neben den Verfilmungen seiner Originaldrehbücher " Es geschah am hellichten Tag" (1958) von Ladislao Vajda mit Heinz Rühmann und "Der Richter und sein Henker" (1975) von Maximilian Schell auch fulminante Adaptionen seiner grössten Klassiker wie "The Visit" (1964) von Bernhard Wicki mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn, "The Pledge" (2001) von Sean Penn mit Jack Nicholson und "La piu bella serata della mia vita" (1972) von Ettore Scola.

Die Filmvorführungen werden begleitet von einführenden Gesprächen renommierter Expertinnen und Experten, die als Wegbegleiter oder besondere Kenner von Friedrich Dürrenmatt die filmischen Werke innerhalb dessen Schaffens kontextualisieren und somit auch einen Dialog zwischen Film und Literatur eröffnen. Dem Publikum wird dadurch die exklusive Möglichkeit geboten, am einzigartigen Wissensschatz der Experten teilzuhaben.

So übernimmt der renommierte Künstler und Diogenes-Verleger Philipp Keel die Einführung von "Es geschah am hellichten Tag" und die erfahrene Belletristik-Lektorin Anna von Planta, die sehr eng mit Dürrenmatt gearbeitet hat, wird über "The Visit" sprechen. Die Gespräche mit den Experten werden jeweils den Filmscreenings vorangeführt und dauern maximal 30 Minuten. Die Moderation übernimmt Christian Jungen, der künstlerische Leiter des ZFF.

Die Vorführungen werden in der zweiten Festivalwoche von Montag 28.09.20 bis Freitag 02.10.20 im Filmpodium stattfinden. Dies biete nach Meinung der Veranstalter den perfekten Rahmen für Wissensvermittlung, generationenübergreifenden Austausch und der Würdigung Dürrenmatts. Es markiere zudem den Auftakt weiterer Feierlichkeiten zu Ehren Dürrenmatts. So werde das Filmpodium Zürich im Dezember Dokumentarfilme über Friedrich Dürrenmatt zeigen und im Januar und Februar Verfilmungen seiner literarischen Stoffe. Der Diogenes Verlag soll dabei zusammen mit dem Centre Dürrenmatt und dem Schweizerischen Literaturarchiv die Rolle der treibenden Kraft einnehmen. Auch das Maison du futur plant verschiedene Projekte rund um das 100. Jubiläumsjahr des Schriftstellers.

Friedrich Dürrenmatt kam 1921 in Konolfingen (BE) zur Welt. Er studierte Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik in Bern und Zürich und war als Dramatiker, Essayist, Maler und Erzähler tätig. Dürrenmatt schuf sich einen Namen mit seinen Kriminalromanen und Erzählungen wie "Der Richter und sein Henker", "Der Verdacht", "Die Panne" und "Das Versprechen". Den weltweiten Durchbruch erlebte er mit drei seiner Werke: 1956 mit der Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame", 1962 mit "Die Physiker" und 1966 mit "Der Meteor". Dürrenmatt verstarb 1990 in Neuchâtel und würde im nächsten Jahr am 5. Januar 100 Jahre alt.



Friedrich Dürrenmatt (r.) und Eugen Ionesco mit Frauen im Arbeitszimmer Dürrenmatts (Bild: Jack Metzger/ ETH Bibliothek/ CCO)
Friedrich Dürrenmatt (r.) und Eugen Ionesco mit Frauen im Arbeitszimmer Dürrenmatts (Bild: Jack Metzger/ ETH Bibliothek/ CCO)
Max Frisch (l.) u. Friedrich Dürrenmatt in der Zürcher Kronenhalle (Bild: Jack Metzger/ ETH Bibliothek/ CCO)
Max Frisch (l.) u. Friedrich Dürrenmatt in der Zürcher Kronenhalle (Bild: Jack Metzger/ ETH Bibliothek/ CCO)
Dürrenmatt 1989 bei der Überreichung des Ernst Robert Curtius Preises (Bild: Elke Wetzig/ CCO)
Dürrenmatt 1989 bei der Überreichung des Ernst Robert Curtius Preises (Bild: Elke Wetzig/ CCO)
Buchcover von "Das Versprechen", 1958 (©: Dürrenmatt/ CCO)
Buchcover von "Das Versprechen", 1958 (©: Dürrenmatt/ CCO)